Ausländische Privatkunden, welche aus Diversifikations-, Leistungs- und Sicherheits- sowie Qualitätsgründen Teile ihrer Vermögenswerte in der Schweiz halten und verwalten lassen, werden durch das eigene Domizilland (obwohl vollständig versteuert) vermehrt mit Repressalien dazu gezwungen oder mürbe gemacht, die Vermögenswerte in ihr Domizilland zurückzuführen und dem heimischen Bankensystem anzuvertrauen.

Seit dem 1. Januar 2017 müssen Kunden mit Wohn- bzw. Geschäftssitz in Belgien auf Wertschriftentransaktionen, welche über nicht in Belgien ansässige Banken abgewickelt wurden, eine Transaktionssteuer abliefern. Die Ablieferung erfolgt monatlich und zwingt die involvierten ausländischen Finanzinstitute, die entsprechenden Daten aufzubereiten und ihren Kunden in geeigneter Form zur Verfügung zu stellen. Eine ähnliche Datenlieferung ist auch für Kunden aus Frankreich notwendig, die wie die Belgier auch, dem ausländischen Staat erhaltene Zinserträge monatlich mittels einem Formular melden und die entsprechende Steuer abliefern müssen.

Als Repressalie wird nicht in erster Linie die jeweils erhobene neue Steuer betrachtet, sondern vielmehr die hohe, vorgegebene Kadenz und die Art der Meldung, welche besonders bei älteren Kunden erhebliche Verunsicherung hervorruft und zu einem deutlich höheren Aufwand für die Kundschaft führt.

Die ausländischen Finanzintermediäre reagieren auf solche Bürden unterschiedlich:
Einige Vermögensverwalter trennen sich aufgrund des erhöhten und kostenintensiven Mehraufwands von den betroffenen Kunden. Andere wiederum versuchen, den Kunden die administrativen Mehrkosten weiter zu belasten. Beide Massnahmen führen letztendlich dazu, dass die Kunden ihre Vermögenswerte wie vom Staat erwünscht, ins eigene Bankensystem zurückführen.

Auch in Italien sind ähnliche Szenarien zu beobachten, wobei hier zusätzlich das Risiko teils maroder Banken besteht.

Innovative Vermögensverwalter versuchen ihre langjährigen Kunden bei der Steuerabgabe aktiv zu unterstützen und liefern der Kundschaft in der geforderten Kadenz nicht nur die notwendigen Daten, sondern füllen diese bereits im vorgeschriebenen Formular ab und vergüten im Namen des Kunden direkt die Steuern an den jeweiligen Staat. Bei diesem Vollservice ist jedoch eine allfällige Haftung bei Falschangaben zu berücksichtigen. Eine andere Möglichkeit wäre es, wann immer möglich, bei der Vermögensverwaltung des Kunden Steuerabgaben durch die Art der Transaktionen zu verhindern (z.B. durch den Einsatz von thesaurierenden Fonds). Ob diese Massnahme aber im Sinne des Kunden und der Performance sind und ob es sich dabei um eine langfristige Lösung handelt, ist fraglich.

Sollte die Schweiz in naher oder doch eher fernen Zukunft einen aktiven EU-Marktzutritt erhalten, zweifle ich persönlich aufgrund solcher Massnahmen stark daran, dass mit dem Zutritt auch eine EU-weite Gleichstellung der Marktteilnehmer sichergestellt ist.


Markus Angst
Leiter Banking