US-Staatsverschuldung steigt auf historischen Höchststand – Teil 1: Was hat das mit schwarzen Löchern zu tun und was sind die anlagepolitischen Konsequenzen?

 

Leider gibt es hinsichtlich der Entwicklung der US-Staatsverschuldung nichts Erfreuliches zu berichten. Diese ist so hoch wie seit 1944 nicht mehr. Im ersten Teil dieser Beitragsserie skizzieren wir die Entwicklung der US-Staatsverschuldung im Zeitablauf und vergleichen die derzeitige Situation des US-Haushalts mit der Vergangenheit.

 

US-Staatsverschuldung steigt auf einen historischen Höchststand…

… und das in Friedenszeiten!

 

Was ist «bemerkenswert»?

Betrachten Sie die Grafik unten. Fällt Ihnen etwas Humoristisches auf? Warum ist die Grafik erschreckend und zugleich «amüsant»?

 

Grafik 1: US-Staatsschulden die von Privaten gehalten werden in % des BIP

US-Staatsschulden die von Privaten gehalten werden in % des BIP
Quelle: Congressional Budget Office des US-Kongresses

 

In der Zukunft drohen Haushaltsdefizite in Höhe von 5% des BIP

Die Schuldenwirtschaft in den USA nimmt immer besorgniserregendere Ausmasse an. Budgetdefizite im Bereich von über 1 Billion US-Dollar und über 5% des Bruttoinlandprodukts (BIP) dürften in den nächsten Jahren eher die Norm als die Ausnahme darstellen.

 

2020 wird ein Defizitrekordjahr und könnte sogar 1944/1945 in den Schatten stellen

Das Congressional Budget Office schätzt, dass das Bundesdefizit 2020 rund 3.3 Billionen US-Dollar betragen wird, was rund 16% des BIP entsprechen würde. Dies wäre das grösste Defizit in Prozent des BIP seit 1945.

 

Pandemie bringt das Fass zum Überlaufen

Getrieben wird der Schuldenanstieg durch die Steuerreformen der Administration Trump und den Wirtschaftseinbruch durch die COVID-19 Pandemie. Auch ohne die Pandemie wäre der Schuldenanstieg gigantisch ausgefallen.

 

Berufs- und Zweckoptimismus der Politiker wider besseres Wissen

In Tat und Wahrheit dürften sich die Projektionen des Congressional Budget Office als zu optimistisch herausstellen. Jetzt ist es an der Zeit, das «Lustige» an der Grafik zu analysieren.

 

Subversive Farbwahl

Der Ersteller der Grafik hat bewusst die Farbe Rosarot verwendet. Vermutlich gibt es innerhalb des Congressional Budget Office des US-Kongresses subversive, rebellische Mitarbeiter, die sich darüber lustig machen, dass die eigenen Projektionen (oder die ihrer Kollegen?) mit der rosaroten Brille gemacht wurden und sich regelmässig als zu optimistisch erweisen. Wohlgemerkt werden hier nur die Staatsschulden der USA ohne die Schulden der Gebietskörperschaften (US-Bundesstaaten, Städte, Gemeinden und ausgegliederte Sonderhaushalte) prognostiziert. Ebenso fehlen alle ausserbilanziellen Verbindlichkeiten. Diese sind enorm hoch, umfassen sie doch bspw. die Pensionsversprechungen der Staatsangestellten, welche hoffnungslos unterdotiert sind. Beachten Sie bitte auch, dass Grafik 1 nur die US-Staatsschulden enthält, die von Privaten gehalten werden. Es fehlt der Anteil der US-Staatsschuld, der von der FED gehalten wird.

Passendere Farben für eine solche Grafik wären somit «Depressivschwarz», «Feuerwehrwarnrot» oder noch besser «black-hole black» gewesen, da sich die US-Staatsverschuldung bereits jenseits des Event Horizons (Ereignishorizontes) befinden dürfte. Was dies bedeutet und bei welchem Zins die Staatsschuld mittelfristig vielleicht doch noch tragbar sein könnte, erfahren Sie im 2. Teil dieser Beitragsserie. Wir entwickeln eine «Nachhaltigkeitsformel» für den Staatshaushalt und untersuchen, bei welchem Zins die Finanzierbarkeit mittelfristig gesichert sein könnte Der 3. Teil wird sich mit Anlagekonklusionen beschäftigen.


Thomas Härter
Chief Investment Officer Aquila