Wann sollte man in Silber oder Gold investiert sein?

 

Im 3. Teil dieser Beitragsserie zum Thema Silber versuchen wir, einfache Anlagestrategien zu untersuchen. Es zeigt sich, dass die Verwendung des Gold-Silber-Verhältnisses (GSR) für die Anwendung von einfachen Moving-Average-Strategien wenig geeignet ist. Statt diese für Investitionsentscheide zu verwenden, war es in der Vergangenheit besser, «einfach» zu kaufen und zu halten. 

 

Anlageregeln für die Silberinvestition

 

Verlockend scheint zunächst, sich die GSR, das Gold-Silber-Austauschratio genauer zu betrachten (Grafik 1). Sie erinnern sich, das GSR gibt an, wieviel Unzen Silber man für 1 Unze Gold bekommt.

 

Grafik 1: Das GSR-Ratio seit 1952

Grafik 1 zeigt das GSR in schwarz und den gleitenden 6-Jahres- bzw. 2-Jahresdurchschnitt des GSR in rot resp. blau.

 

Kaufen, wenn der Preis den gleitenden Durchschnitt nach oben durchbricht

 

Manche mögen nun denken, dass es einfach ist, mit Hilfe von Charttechniken eine gewinnbringende Strategie zu entwerfen. Oftmals kommen hierbei gleitende Durchschnitte zum Einsatz. Steigt (sinkt) der aktuelle Kurs über den trägeren, über einen längeren Zeitraum berechneten gleitenden Durchschnitt, wird empfohlen zu kaufen (zu verkaufen).

In unserem Fall bedeutet «kaufen» (verkaufen), Gold zu kaufen (verkaufen) und Silber zu verkaufen (kaufen).

Funktioniert dies? Wir testen 3 Regeln:

  1. Gold kaufen und Silber verkaufen, wenn das aktuelle GSR-Ratio über den 2-Jahresdurchschnitt steigt.
  2. Gold kaufen und Silber verkaufen, wenn das aktuelle GSR-Ratio über den 6-Jahresdurchschnitt steigt.
  3. Gold kaufen und Silber verkaufen, wenn der 2-Jahresdurchschnitt über den 6-Jahresdurchschnitt steigt.

Grafik 2 zeigt die Ergebnisse dieser drei Strategien seit dem 31.05.1955 im Vergleich zu dem, was man erzielt hätte, wenn man Silber oder Gold gekauft und gehalten hätte. Die drei «Strategien» und der Silber- und Goldpreis sind auf 100 indexiert.

 

Grafik 2: Buy & Hold schlägt einfache Moving-Average Anlageregeln

 

 

Moving-Average wäre keine gute Anlagestrategie gewesen

 

Hätte man Silber (Gold) seit Ende Juni 1955 gehalten, wären aus 100 US-Dollar bis Ende Januar 2021 3035 (5274) US-Dollar geworden. Die Moving-Average-Regeln 1 und 2 hätten nicht funktioniert und sind deshalb im Chart nicht von der X-Achse unterscheidbar.

Nur die 3. Regel, «Gold kaufen und Silber verkaufen, wenn der 2-Jahresdurchschnitt über den 6-Jahresdurchschnitt steigt», hätte «ein kleines Bisschen» funktioniert. Über den Gesamtzeitraum hätte man sein Kapital jedoch lediglich verdreifacht und jahrzehntelang hätte diese Strategie nicht funktioniert. Es lohnt sich auch gar nicht, die Renditen unter Berücksichtigung von Transaktionskosten zu berechnen, da das Ergebnis so deutlich ausfällt. Moving-Average-Strategien, zumindest die hier untersuchten, sind unattraktiv. Diese Aussagen gelten auch risikoadjustiert. Wir wollen uns hier bewusst mit einer grafischen Analyse der Strategien begnügen und nicht durch die Analyse von Sharp Ratios, Drawdowns usw. unnötig verkomplizieren.

 

Buy & Hold-Strategie schlägt Moving-Average

 

Wir ziehen ein zwischenzeitliches Fazit: Die Daten sprechen dafür, dass einfache Moving-Average-basierte Anlageregeln, welchen das GSR zu Grunde liegen, nicht funktionieren und Buy & Hold-Strategien besser performen. In der Vergangenheit war dies klar der Fall, in der Zukunft dürfte dies ebenfalls gelten.

 

Ausblick

 

Seien Sie bitte nicht enttäuscht und warten Sie ab! Im kommenden 4. Teil dieser Beitragsserie suchen wir weiter nach gewinnbringenden Anlagestrategien. Vielleicht gelingt es uns ja doch noch, eine Buy & Hold-Strategie zu schlagen? Allenfalls funktionieren Anlagestrategien, die auf Silber setzen, wenn es im Vergleich zu Gold günstig ist (Value-Strategien)? Oder etwas Anderes? Sie werden im 4. Teil zudem erfahren, was Silberinvestitionen mit Joe Biden, dem Klimawandel und der FED zu tun haben könnten.

 

Thomas Härter
Chief Investment Officer Aquila

 

 

Teil 1

Teil 2

Abonnieren Sie unseren Newsletter, um keine neuen Beiträge zu verpassen.