Bei weiterhin steigendem Margendruck wird sich die Konkurrenzsituation im Private Banking in der Schweiz zusätzlich verschärfen und folgende Konstellationen hervorbringen:

Wir sehen wesentliche Vorteile bei den Grossbanken aufgrund deren Grösse, der Marktmacht, der indirekten Staatsgarantie und der grundsätzlichen Trägheit der Kunden sowie der aktiven Nutzung der eigenen Produktepalette. Die Grossbanken haben die Massen, welche für Effizienz- & Effektivitätssteigerungen durch Industrialisierung wie auch die Aufsplittung der Wertschöpfung notwendig sind. Sie können Arbeitsprozesse auslagern und sogar Arbeitsbereiche in „Billiglohnländer“ verschieben.

Unter den kleineren Privatbanken wird eine verstärkte Konsolidierung aufgrund einem oftmals gleichen Kundenfokus mit stark veränderten Bedürfnissen, dem teilweise fehlenden Kundenvolumen und somit auch fehlenden Skaleneffekten wie auch der teilweise sehr kostenintensiven Flexibilität versus Standardisierung stattfinden.

Analog zu Aldi und Lidl in der Lebensmittelindustrie werden neue Konkurrenten wie z.B. Internetbanken oder hoch standardisierte Banken, mit einem klaren Kundenfokus und einer leanen Organisationsstruktur aufgrund der wesentlich tieferen Kosten den Finanzmarkt Schweiz neu beleben.

Die Erhöhung des Anspruchsniveaus der Kunden (transparentere Kunden mit gutem Finanzwissen, höherer Erreichbarkeit und steigendem Kostenbewusstsein) sowie höhere Kosten durch steigende Regulationsdichte und das anhaltende Tiefzinsumfeld und die damit verbundenen und vor zwei Jahren eingeführten Negativzinsen, werden den obenerwähnten Prozess weiter vorantreiben.

Viele vermögende Privatkunden wünschen sich aber keine industrialisierte, standardisierte Dienstleistung, sondern je nach deren persönlichen Situation, eine individuelle und massgeschneiderte Lösung. Sie wünschen sich, dass ihre Bedürfnisse erfüllt werden und nicht wie oftmals geschehen, ihnen etwas „verkauft“ wird. Weiter wird eine ständige oder zumindesterhöhte Erreichbarkeit auch ausserhalb der klassischen „Öffnungszeiten“, mit zeitnahen und umfassenden Informationen erwartet.

Zusammengefasst sehen wir folgende generellen Entwicklungen:

  • Kunden wollen einen Private Banking-Anbieter, der ihnen einen finanziellen Rundumservice sowie ein breites Dienstleistungsspektrum bietet
  • Der Kunde agiert auf Augenhöhe mit dem Kundenberater
  • Bedürfnis nach unabhängiger, kundennaher und umfassender Beratung steigt
  • Durch UVV betreutes Vermögen wird im Vergleich zu den Banken steigen
  • Klassische Banken müssen sich entscheiden, ob sie ihr Kerngeschäft im Vertrieb, dem Produkt oder der Abwicklung sehen (z.B Lombard Odier bietet IT-Plattform anderen Banken an, Vontobel Handelsplattform, etc.)
  • Steuerkonforme Produkte/Beratung wird vom Kunden erwartet
  • Klare Fokussierung auf wenige Märkte, Exit Strategie für restliche Märkte. Nur Grossbanken können sich erlauben, weltweit zu agieren. Wobei sich auch Grossbanken von nicht rentablen Märkten oder Risikomärkten trennen
  • Löhne und Bonuszahlungen müssen im Private Banking sinken, weitere Aufspaltung der Wertschöpfungskette
  • UVV Kunden (bis 1 %) sind weniger preissensitiv gegenüber den Bankkunden (nur bis 0,50 %)
  • Das anhaltende Niedrigzinsumfeld drückt auf die Performance

 

Hier sehen wir klare Vorteile für einen unabhängigen Vermögensverwalter, welcher jedoch wiederum aufgrund der umfassenden Kundenanforderungen sehr gut vernetzt, breit aufgestellt und regulatorisch wie auch organisatorisch gut strukturiert sein muss. Die notwendige Digitalisierung bietet ihm die Basis für eine effiziente, kostengünstige und regulatorisch korrekte Serviceerbringung.

Bekanntlich sind noch nicht alle unabhängigen Vermögensverwalter so aufgestellt und sollten in der nächsten Zukunft folgende Aktivitäten durchführen:

  • Neubeurteilung der eigenen Situation und (Neu)Ausrichtung der
    – angebotenen Services
    – Zielmärkte
    – Kundensegmentierung und der damit verbundenen Prozesse und Kontrollsysteme
  • Mögliche zukünftige Zusammenarbeitsformen:
    – Alleingang, Abgabe/Übergabe der Kunden an Depotbank oder EXIT
    – Kooperation mit In-/Out-Sourcing-Unternehmen (z.B. Compliance-Dienstleistung)
    – Kooperation mit anderen Vermögensverwaltern
    – Anschluss an eine Vermögensverwalter-Plattform
  • Kritische Beurteilung der eigenen Asset Management-Leistung
    – Einzelanlagen versus Best in Class
    – Beratung des Kunden bezüglich „Beste Produkte/Mandate“ versus diskretionärem VV-Mandat
  • Steuerkonforme Produkte/Mandate (make or buy?)

 

Gerne stehen wir für weitere Fragen jederzeit zur Verfügung.


Markus Angst
Leiter Banking Services Aquila