2020 schärfste Rezession seit 1945

Im Anlagejahr 2019 standen die globalen Handelskonflikte und das schwächelnde Wirtschaftswachstum klar im Fokus. Die wieder etwas expansivere Zentralbankenpolitik, aber auch erste Diskussionen über fiskalpolitische Massnahmen unter dem Deckmantel des «Green New Deals» liessen die Aktienmärkte Anfang dieses Jahres weiter steigen und teilweise neue Höchststände erklimmen. Doch dann kam COVID19 – und stellte die Welt auf den Kopf. Weltweit wurden Lockdown-Massnahmen verhängt und es folgte die schärfste Rezession der Nachkriegszeit und die erste Rezession seit 1945, welche durch einen externen Schock ausgelöst wurde. Währenddem es nach der Finanzkrise ganze 1.5 Jahre dauerte, bis die Politik und die Notenbanken die Wirtschaft wieder ankurbeln konnten, dauerte es dieses Mal lediglich einen Monat. Entsprechend haben auch die Finanzmärkte reagiert. Nach dem Schock folgte bald der Konsens, dass die Zentralbanken alle Register ziehen werden, um die Stabilität an den Finanzmärkten zu gewährleisten – sogar mittels Intervention an den Anleihenmärkten, indem beispielsweise die Fed erstmals direkt Anleihen von Unternehmen aufkaufte.

 

Impfungen ermöglichen Rückkehr zur Normalität

Mit der Aussicht auf weltweit flächendeckende Impfungen und einer baldigen Rückkehr zur Normalität sind die Wachstumsaussichten für das kommende Jahr 2021 durchwegs positiv. Dank direkten und indirekten Staatshilfen konnte ein massiver Anstieg der Arbeitslosigkeit verhindert werden, was sich stabilisierend auf den Konsum auswirkte – einer der Hauptstützen der Wirtschaft. Die Zentralbanken dürften derweil mit ihrer lockeren Geldpolitik weiterfahren. Sie haben sich mit dem Strategiewechsel und dem neuen Ziel des «average inflation targeting (AIT)» die Option offengelassen, die Zinsen noch für Jahre weiter tief zu halten. Die Kombination einer Wiederöffnung der Wirtschaft, lockeren Geldpolitik und fiskalischen Massnahmen (wie Infrastrukturausgaben etc.) werden für erfreuliche Wachstumszahlen im Jahr 2021 sorgen. Ein Teil dieser Erwartungen scheint in den aktuellen Bewertungen der Aktienmärkte bereits eingepreist zu sein (rund 20% Gewinnwachstum), jedoch gibt es durchaus noch Potential für Überraschungen. Auch deshalb weil die Alternativlosigkeit bei Anlagen noch nie so gross war wie heute. Inzwischen handeln Anleihen im Wert von über 18 Billionen US-Dollar mit einer negativen Rendite.

 

Aktien bevorzugt

Befasst man sich mit den «Ausblicken 2021» der verschiedenen Finanzinstitute, so wird schnell klar, dass Aktien die bevorzugte Anlageklasse für das kommende Jahr sind. Insbesondere Aktien aus Schwellenländern dürften im Vergleich zu anderen Regionen gut abschneiden. Das dynamische Wachstum in Asien, der schwächere US-Dollar, aber auch eine «Normalisierung» der Handelsbeziehungen (bzw. keine weiteren Eskalationen) wirken unterstützend. Potential sehen wir auch in Aktien von kleinen und mittelgrossen Unternehmen, welche erst über die letzten Wochen den Rückstand gegenüber den «Large Caps» wettmachen konnten.

 

Auf temporäre Rückschläge vorbereitet sein

Wie so oft dürfte es aber auch 2021 an den Finanzmärkten keine «Einbahnstrasse» werden. Es gilt, die Risiken zu verteilen und sich für verschiedene Szenarien zu positionieren. Denn wie schon André Kostolany sagte: «An der Börse sind 2 mal 2 niemals 4, sondern 5 minus 1. Man muss nur die Nerven haben, das – Minus 1 auszuhalten.»

 

Performance Finanzmärke 2020

Performance Finanzmärke 2020
Quelle: Bloomberg Finance L.P., 31.12.2019 – 17.12.2020 in Lokalwährung

Nicolas Peter
Head Asset Management

 

Wir vom Aquila Blogteam wünschen Ihnen und Ihren Familien fröhliche und erholsame Weihnachtstage und das Allerbeste für das kommende Jahr.