Das Private Banking ist in der Schweiz seit Jahren arg unter Druck. Die Gründe dafür sind breitgefächert und werden in der Presse mit folgenden Schlagworten untermauert: Geschäftsmodelle, regulatorische Rahmenbedingungen, Ausgaben für Digitalisierung, Rechts- und Compliancekosten, Wettbewerb, Margen, grundlegende Veränderung des Anlegerverhalten, usw.

 

Anhand der SNB-Statistik kann man am besten abschätzen, was die Branche in den letzten Jahren erlebt hat.

Fakt ist (SNB-Statistik der Banken der letzten 10 Jahre):

  • Wertschriftenbestände in den Kundendepots sind
    – bei inländischen und ausländischen Depotinhabern um 10 % angestiegen
    – bei inländischen Depotinhabern um gut 25 % angestiegen
    – bei ausländischen Depotinhabern um 0,50 % angestiegen
  • Erfolg aus dem
    – Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft ist um 3 % gesunken
    – Handelsgeschäft um 35 % gesunken
  • Anzahl Banken
    – hat total um 20 % abgenommen
    – Anzahl der Privatbanken hat sich gar halbiert
  • Bilanzsumme hat um 5 % abgenommen
  • Personalbestand hat sich um 3 % verringert

 

Verbände / Interessengruppen

Schaut man sich die Programme der verschiedenen Verbände und Interessengruppen an, so sind einige interessante und vielversprechende Ansätze bereits formuliert worden.

Die Swiss Funds & Asset Management Association (SFAMA) hat bereits im Jahre 2002 im Grundlagenpapier „Asset Management in der Schweiz“ klar stipuliert, dass der Aufbau des „Asset Management Standorts Schweiz“ unerlässlich ist. Der Aufbau des Standbeins Asset Management Schweiz soll dem Finanzsektor generell und den bisherigen Standbeinen Private Banking und Vermögensverwaltung zu neuer Stärke verhelfen. Im Executive Summary dieses Papiers steht auch klar, dass das Ziel zur Stärkung des Finanzplatzes via die bisherigen Säulen Private Banking / Vermögensverwaltung und Aufbau des Asset Management von Politik und Behörden mitgetragen werden muss. Die Handlungsfelder sind klar umrissen worden:

  • Asset Management als Brand etablieren
  • Standards für das Asset Management entwickeln und anwenden
  • Adäquate Aufsicht sicherstellen
  • Marktzugang verbessern
  • Geeignete Gefässe und Strukturen für das Asset Management fördern
  • Optimales steuerliches Umfeld für Investoren herstellen
  • Infrastruktur gezielt ausbauen
  • Spezifische Ausbildung anbieten

 

Politik / Behörden / Parteien

Die wichtigste Aufgabe der Politik / Behörden und auch der Parteien besteht generell darin, für ein optimales Umfeld der Bürger und der Wirtschaft im Land zu Sorgen. Im Bereich der Finanzindustrie sind entsprechend einige neue Gesetze und Bestimmungen aufgegleist worden – u.a. FIDLEG, FINIG, usw.

Schaut man sich diese vorgesehenen Gesetze an, so fällt auf, dass sich diese durchaus an den ausländischen Pendants orientieren, jedoch auch zahlreiche Abweichungen beinhalten, welche den schweizerischen Eigenschaften Rechnung tragen.

 

Zwischenbilanz

Die Finanzindustrie in der Schweiz ist trotz grossen Umwälzungen nach wie vor ein sehr wichtiger und attraktiver Wirtschaftszweig. Klar ist, dass Unterstützung für die bisherigen Hauptpfeiler Private Banking und Vermögensverwaltung von Nöten ist. Die Initiativen zur Stärkung des Fonds- und Asset Managementgeschäftes sind entsprechend wichtig. Als Indikator für den Erfolg dieser „Asset Management Initiative“ gibt die Statistik der SFAMA nützliche Hinweise.

Total in der Schweiz zum Vertrieb zugelassene Fonds per Ende 2016

  • 8 952 Fonds (Netto plus 212 Fonds, +2,40 % zum Vorjahr)
  • 1 551 Schweizer Fonds (netto plus 9 Fonds, +0,60 % zum Vorjahr)
  • 7 401 Ausländische Fonds (netto plus 203 Fonds, +2,70 % zum Vorjahr)

 

Das Verhältnis zwischen Fonds ausländischer Herkunft und Kollektivanlagen Schweizerischen Rechts blieb über die letzten Jahre ziemlich konstant bei etwa 4:1. Luxemburg und Irland sind mit Abstand die grössten ausländischen Domizilstandorte von hier zugelassenen Fonds; mit gesamthaft 6 538 Fonds blieb ihr Anteil per Ende 2016 konstant bei 88%. An dritter Stelle rangiert weiterhin Frankreich, gefolgt von Liechtenstein und Grossbritannien.

Diese Tendenzen dürften der hiesigen Finanzindustrie sowie den dazugehörigen Verbänden zu denken geben. Ebenfalls sollten diese Eckdaten auch der Politik ein Dorn im Auge sein. Solange das politische Umfeld nicht stimmt, wird wohl die heimische Finanzindustrie und insbesondere die Asset Management Initiative keinen Rückenwind bekommen.

Die aktuellen Tendenzen müssten für die sogenannten Wirtschaftsparteien ein gefundenes Fressen sein, um ihre Anliegen zu formulieren. Die Politik sollte ausnahmsweise etwas schneller mahlen und Gesetze forcieren, die wirtschaftsfreundlicher sind und der Schweizer Finanzindustrie die mindestens gleich langen Spiesse wie den ausländischen Konkurrenten ermöglichen!


Sales Bischofsberger