Grundlage für eine asset allocation bildet normalerweise die prognostizierte Wirtschaftsentwicklung, die auch massgebend für den Aktienteil zeichnet. Bei guten Wirtschaftsaussichten werden in der Regel stark konjunkturabhängige Gesellschaften berücksichtigt, bei schlechten kommen möglichst defensive Unternehmen zum Zug. Problematisch bei diesem Vorgehen sind zwei wiederholt belegbare Erfahrungen. Einerseits irren sich die Ökonomen von Zeit zu Zeit, vor allem in den Entwicklungen der einzelnen Wirtschaftsbereiche, andererseits über- oder unterschätzen Analysten zu oft die Auswirkungen auf ihre zu beurteilenden Aktien.

Themen vs. Märkte/Sektoren

Im Gegensatz zu den meisten Märkten oder Sektoren sind viele Themen nicht oder kaum konjunkturabhängig. Sie sind Ausdruck von gesellschaftlichen Entwicklungen oder politischen Vorgaben die unseren Alltag betreffen. Da sie mit der Wirtschaftsentwicklung herzlich wenig gemein haben, sind ihre Zyklen viel länger und beständiger. Themen sind meist markt- oder sektorübergreifend bzw. meist in mehreren davon vertreten. Zudem sind sie weit weniger von unerwarteten, externen Faktoren betroffen. Offensichtliche Beispiele sind Demographie, Gesundheit, Schönheit in der Gesellschaft, Nationalismus, Migration und Militär in der Politik sowie Veränderungen im Geschäftsgebaren.

Themenwahl

Wir leben in einer Zeit, wo fast alles „emotionalisiert“ wird. Die damit erreichte, grosse Aufmerksamkeit kann und wird gesteuert, um Anliegen schneller und wirksamer in Szene zu setzen. Klimaveränderung und Brexit sind nur zwei Beispiele, bei denen die Vernunft gegenüber den Emotionen einen schweren Stand hat. Ähnliches gilt für Themen an den Aktienmärkten: Viele entstehen nur aus Marketinginteresse und halten einer eingehenden Prüfung nicht stand. Schlagwörter wie „nachhaltig“ oder „umweltgerecht“ sind genauso suspekt wie „Entrepreneur“ oder „opportunity“. Auch muss bei Themen genau definiert werden, was am meisten Erfolg verspricht. Gesundheit ist sicher von Interesse, aber schon der Unterschied zwischen Pharmazeutika und medizinische Verbrauchsgüter ist riesig.

Themenfonds

Die Banken sind sich natürlich schon länger bewusst, dass sich Themen gut „verkaufen“ lassen und es gibt unterdessen eine Vielzahl von Anlagefonds, die einzelne Bereiche abdecken. Die Vorteile für den einzelnen Anleger sind offensichtlich. Ein Fond sichert ständige, professionelle Verwaltung, adäquate Diversifikation, Liquidität und eine gewisse Sicherheit gegen Verluste aus unethischem Handeln (Betrug, Konkurs). Die Vorteile für die Banken sind ebenfalls klar. Nebst der effizienten Verwaltung von Anlagegeldern für eine Vielzahl von Kunden lässt sich ein Themenfond viel besser positionieren und vermarkten. Die Gebühren von bis zu 2% p.a. sind auch nicht zu verachten.

Doch Vorsicht: Themenfonds können oft ihrem raison d’être nicht gerecht werden. Viele der aktuellen Themen wie „Nachhaltigkeit“ oder „Umweltschutz“ sind kaum definiert und mangels Erfahrung schwierig umzusetzen. Nur weil sich eine Gesellschaft des Themas bewusst ist und diesem dreissig Seiten ihres Geschäftsberichts widmet, heisst das noch gar nichts. Aber auch bereits seit Längerem bekannte Themen bzw. Trends wie Luxusgüter können ihre Schwachstellen haben. Heisst Luxus nur teuer? Können Konglomerate, wo „Luxus“ unter 50% des Umsatzes oder Gewinns ausmachen, mitberücksichtigt werden? Hinzu kommt die Tatsache, dass es sich oft um eine (zu) geringe Anzahl von Aktien handelt, welche erst noch tendenziell kleinkapitalisiert sind. Nicht zuletzt können sich vermeintlich neue Themen als kurzlebige Modeströmungen erweisen und sogleich wieder aus dem Fokus der Gesellschaft und der Anleger verschwinden.

Einzelaktien für Themen

Für den Anleger macht es durchaus Sinn, Themen mit Einzelaktien abzudecken. Natürlich ist es aufweniger und braucht mehr Scharfsinn bei der Analyse und Verwaltung, aber die Vorteile führen oft zu einer besseren Performance. Wie immer bei Einzelaktien (stock-picking) sind die 2-3 best in class-Aktien zu berücksichtigen wobei die Kriterien gutes Management, gefragtes Produkt bzw. Dienstleistung, gutes Vertriebsnetz sowie gute Finanzierung und vernünftige Bewertung zu erfüllen sind.

Es lässt sich auch leicht ein ganzes Aktienportfeuille ausschliesslich mit Themen erstellen. Themen aus der Gesellschaft wie Schönheit, Luxus, Medtech und medizinische Verbrauchsgüter oder Rüstung und militärische Telekommunikation aus der Politik bzw. Outsourcing und Regulierung aus der Geschäftswelt, bieten bereits eine beachtliche Auswahl. In Erinnerung gerufen sei an dieser Stelle die Tatsache, dass bereits ab 12 Einzeltitel genügend Diversifikation erreicht wird (Einzelpositionen bis 5%). Es empfiehlt sich, bei positiver Kursentwicklung nicht zu verkaufen sondern nur Teilgewinne zu sichern.


Christian Wagner
Anlageberater