Einfluss des (Un-)Rechtsstaates, der staatlichen Repressionspolitik und der zentralwirtschaftlichen Planungsbehörden des volkseigenen Zinssetzungskomitees auf den Goldpreis und die Anlagestrategie

 

Investieren wirklich nur unzivilisierte Anleger in Gold, wie der Berskhire-Vize Charly Munger in einem umstrittenen CNBC-Interview behauptet? Wir gehen dieser Frage in einem zweiteiligen Blogpost nach. Wir zeigen warum physisches Gold der wohl beste Schutz vor dem Zusammenbruch des Rechtsstaates ist. Wir zeigen auf, was das «Besondere» an Gold ist.

 

Charly Munger hat in einem umstrittenen Interview das Statement gemacht, dass «zivilisierte Menschen kein Gold kaufen; sie investieren in produktive Assets». Goldinvestitionen wären allenfalls gut für Juden, die wie 1939 in Wien leben würden und ihr Gold in ihre Unterwäsche einnähen. Hören Sie hier selbst!

Gold ist der wohl beste Schutz gegen den Zusammenbruch des (eigenen) Rechtsstaates und gegen Verfolgung (durch den eigenen Staat); solange es auf der Erde noch Staaten gibt, in denen die Rechtsordnung nicht zusammengebrochen ist und man rechtzeitig erfolgreich fliehen kann.

Gold ist homogen, fungibel und relativ fälschungssicher. Goldbarren können weltweit gekauft und verkauft werden. 1 Kilogramm Gold kostet rund 47’100 CHF. Es gibt Goldbarren in allen möglichen Gewichtsklassen. Grosse Vermögenswerte können somit gewichtssparend und kleinvolumig gelagert und transportiert werden. Der Transport grosser Vermögen wird damit einfacher als der Transport eines 20-Kilo-Kleinkindes. Goldbarren verderben nicht, können auch mal runterfallen und schreien auch nicht. Transportiert man 20 Kilo Gold, bewegt man damit bereits ein Vermögen von fast einer Million CHF.

Aufgrund der Homogenität gibt es (im Gegensatz zu Diamanten, die man fast nur in Antwerpen schnell handeln kann) keine Diskussion über den Preis. Fazit: Gold ist der wohl beste Schutz vor Willkürstaaten, vor dem Zusammenbruch des eigenen Rechtsstaates und vor willkürlichen Zwangsenteignungen oder -umverteilungen. Investitionen in produktive Assets von Willkürstaaten sind für die dort Verfolgten wohl kaum eine intelligente Idee. Aufgrund dieser Schutzeigenschaft vor staatlicher Willkür stieg der Goldpreis während der globalen Finanzkriese 2008 so stark an. Es bestand damals durchaus die Gefahr, dass die zivile Ordnung -als Folge mehrerer Bank Runs (Northern Rock)- zusammenbricht. Dass dies nicht geschah, bedeutet nicht, dass die Risiken damals nicht sehr hoch waren.

Staatliche Repressionspolitik, negative Zinsen und eine drohende Abschaffung von Bargeld (um die Zinsen noch stärker in den Minusbereich manipulieren zu können) sind bereits Anzeichen dafür, dass die soziale Marktwirtschaft und der Rechtsstaat auf dem Rückzug sind. Sinken die entgangenen Zinsen der Goldhaltung oder sind diese sogar negativ (wer Gold hält, muss keine staatlich erzwungene Vermögensschrumpfung aufgrund negativer Zinsen erleiden), wird das Halten von Gold attraktiver und der Goldpreis steigt. Gold liefert somit einen gewissen Schutz gegenüber den zentralwirtschaftlichen Planern in den Zinssetzungskomitees der staatlichen Planungsbehörden. Lassen Sie sich jetzt nicht verwirren! Da aber unser Geld nicht in einem marktwirtschaftlichen Prozess erschaffen wird und auch die höheren Geldmengenaggregate immer weniger durch marktwirtschaftliche Prozesse bestimmt werden, sollte vielleicht auch eher der planwirtschaftliche Sprachjargon und nicht mehr der marktwirtschaftliche Sprachjargon verwendet werden. Schliesslich kennen die Zinssetzungskomitees den sozial optimalen Zinssatz für jedes Risikospektrum und jede Laufzeit und werden aufgrund der Bilanzausweitungen immer mehr zu Eigentümern der Produktionsmittel (wie in einer Planwirtschaft). Anders ausgedrückt, die Zentralbanken beeinflussen durch Aufkaufprogramme auch die Langfristzinsen und zwar nicht nur von Staatsanleihen, sondern auch von Firmenanleihen unterschiedlicher Kreditqualität. Gold bietet einen gewissen Schutz gegenüber negativen Zinsen und staatlicher Repressionspolitik.

Währungskriege dienen dazu, die preisliche Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen, indem die eigene Währung, meist durch eine ultralockere Geldpolitik abgewertet wird. Häufig antworten die Gegner mit einer ebenfalls ultralockeren Geldpolitik, sodass sich die Wechselkurse kaum ändern, aber die Zentralbankbilanzen übergewichtig sind und die Zinsen nach unten manipuliert wurden. Auch in diesem Fall bietet Gold einen gewissen Schutz, da die «Währung» Gold weitgehend international ist und selbst dann, wenn sich die Terms of Trade eines Landes (bspw. Südafrika) mit dem Goldpreis ändern würden, dieser fast nicht manipuliert werden kann. Gold bietet somit einen gewissen Schutz gegenüber Währungskriegen.

Es versteht sich von selbst, dass Gold Schutz vor Währungsreformen bietet. Staatliche Planungs- oder Willkürbehörden können ökonomisch Gold nicht als wertlos erklären. Sie können aber den Besitz von Gold bestrafen, den Kauf- und Verkauf verbieten, zwangsenteignen usw.

Zeit, den zweiten Abschnitt zu wiederholen: Gold ist trotzdem der wohl beste Schutz gegen den Zusammenbruch des (eigenen) Rechtsstaates und gegen Verfolgung (durch den eigenen Staat), solange es auf der Erde noch Staaten gibt, in denen die Rechtsordnung nicht zusammengebrochen ist und man erfolgreich fliehen kann.

Zurück zu Charlie Munger. Gold ist kein produktives Asset. Nach dem man einen Barren 100 Jahre besessen hat, ist er physikalisch (nahezu) unverändert und immer noch genau derselbe, in standardisierter Form gegossene Goldbarren. Gold wirft keinen Zins ab (es sei denn, man leiht es aus). Der Langfristertrag produktiver Assets (Aktien, Privat Equity, Firmen in Privatbesitz etc.) muss selbstverständlich langfristig im Durchschnitt höher als die Wertsteigerung von Gold sein. Trotzdem sollten Investoren einen (nicht zu grossen) Teil ihres Vermögens in Gold anlegen. Gold kann als Währungssubstitut angesehen werden.

Die richtige Wahl der Basiswährung ist Gold wert. Die Basiswährung eines Aktienfonds könnte auch Gold sein statt beispielsweise US-Dollar, Euro oder Schweizerfranken.

 

Im 2. Teil dieser Beitragsserie werden wir der Frage einer geeigneten Basiswährung nachgehen. Im dritten Teil untersuchen wir, wie gut die Anlagestrategie von Charly Munger im Vergleich zu einer «unzivilisierten» und einer «hochzivilisierten» Anlagestrategie war.


Thomas Härter
Chief Investment Officer Aquila