US-Aktien sind gemäss diverser Kennzahlen hoch bewertet. Dies ist auch der FED nicht entgangen. Wird die zukünftige FED-Politik auch durch die Entwicklung der US-Börsen beeinflusst?

 

Sind Immobilien, Aktien und Anleihen zu günstig, kollabiert die Wirtschaft

Die US-Wirtschaft ist seit Jahrzehnten eine „assetpreisgetriebene Volkswirtschaft“. Sinkt der Preis von Immobilien, Aktien oder Anleihen unter ein bestimmtes Niveau, haben die Kreditnehmer und die Kreditgeber ein „Collateral Problem“. Angstsparen, Kreditklemmen und ein Zusammenbruch der Konjunktur sind die regelmässige Folge.

 

Die FED hasst zu tiefe Assetpreise wie der Teufel das Weihwasser

Deshalb ist die FED eine Institution, die nicht nur auf die Inflationsrate und die Arbeitslosenquote „schaut“. Ganz im Gegenteil: die FED bemüht sich sehr zu verhindern, dass Aktien, Immobilien und Anleihen unter die „kritischen Werte fallen“. Im Finanzjargon spricht man in diesem Zusammenhang vom sogenannten FED-Put. Gemeint ist, dass die FED sozusagen an die Finanzmärkte einen „kostenlosen Put“ schreibt, und dadurch ein Absinken der Aktien-, Anleihen und Immobilienmärkte unter den (unbekannten) Strike verhindert. Der Begriff Put ist hierbei, zumindest bis jetzt noch nicht wörtlich zu nehmen, da die FED nicht bereit ist unlimitiert Aktien, Anleihen und Immobilien zum Strike zu kaufen, um Kurseinbrüche unter dem Strike zu verhindern. Ihre Methoden sind indirekter Natur: Sie senkt die Zinsen, versucht die Märkte durch entsprechende Aussagen zu beruhigen und weitet, falls die ersten beiden Massnahmen ungenügend sind, ihre Bilanz aus, in dem Sie sogenannte „kontrollierte quantitative Lockerung“ durch das Aufkaufen von Anleihen durchführt. Letztere Massnahme stellte ebenfalls noch keinen expliziten Put für Anleihen dar, da der Aufkauf nicht unlimitiert erfolgte, sondern nach einer im Voraus festgelegten und kommunizierten Menge, so dass ein Durchschlagen der Anleihen-Kurse unter den Strike möglich war.

Die FED-Politik war, was die Erhöhung der Assetpreise betrifft, offensichtlich „recht erfolgreich“: US-Aktien sind gemäss der sogenannten Shiller-PE so teuer, wie zuletzt während der Teck-Bubble 2000 und vor dem Oktobercrash 1929 (siehe Grafik 1):

Quelle: Homepage von Prof. Shiller http://www.econ.yale.edu/~shiller/data.htm

FED sollte aufgrund hoher Assetpreise ebenfalls beunruhigt sein

Genauso, wie die FED bei „zu tiefen“ Assetpreisen beunruhigt ist, sollte Sie eigentlich im Falle „zu hoher“ Assetpreise beunruhigt sein, da diese ebenfalls die Finanzmarktstabilität gefährden und das Platzen von Überbewertungsblasen meistens zu heftigen Finanzkrisen und Rezessionen führt.

 

Assymetrische Angstfunktion

Leider zeichnet sich die Zentralbankpolitik weltweit durch eine hohe Asymmetrie der Geldpolitik aus: im Krisenfall und im Falle „tiefer Assetpreise“ wird exzessiv stimuliert, im umgekehrten Falle einer boomenden Wirtschaft und „hoher Assetpreise“ werden die vergangenen Stimuli zu zaghaft und in der Regel nicht vollständig zurückgefahren.

 

Bedingung US-Aktien superteuer bereits erfüllt?

Untersucht man die FED-Communiqués, scheint die FED sich mittlerweile tatsächlich etwas Sorgen darüber zu machen, dass US-Aktien „zu hoch bewertet sein könnten“. Frau Yellen äusserte sich bereits 2-mal besorgt über die hohen Bewertungskennzahlen.

Fazit: Die FED beginnt sich Sorgen über die hohe Bewertung von US-Aktien zu machen. Sollten diese weiter steigen, könnte die FED die Leitzinsen schneller erhöhen oder die Bilanzschrumpfung einleiten. Der „FED-Call“ existiert. Was meinen Sie?


Thomas Härter
Chief Investment Officer Aquila