Noch vor 6 bis 7 Jahren empfahlen die Banken bis zu 15% eines Wertschriftenportfolios für private Schweizerfranken-Anleger in Edelmetalle anzulegen. Heute haben nur 3 der 10 Institute, deren Strategie die NZZ quartalsweise publiziert, eine entsprechende Zuteilung. Diese bewegt sich auch im tiefen einstelligen Bereich zwischen 3-5%. Die charttechnische Analyse von Gold ist vielversprechend. Nach einem rasanten Anstieg der Unze von ca. USD 300 auf rund USD 1,900 zwischen 2000 und Ende 2011 folgte eine Korrektur auf rund USD 1,050 im Jahre 2015. Seither bewegt sich der Preis in einer Bandbreite zwischen USD 1,100 und USD 1,350 mit Ausbruchstendenzen über die wichtige Marke von USD 1,380.

Angebot und Nachfrage

Die Angebots- und Nachfragesituation spitzt sich zu. Die Minenproduktion (ca. 70% des Angebots) hat im letzten Jahr mit gut 3,100 Tonnen wahrscheinlich ihren Höhepunkt erreicht und wird in den nächsten Jahren um rund 80 Tonnen pro Jahr abnehmen. Neue grosse Goldvorkommnisse wurden schon länger nicht mehr gefunden und die gestiegene Produktion der letzten 10 Jahre ist beinahe nur dank technologischem Fortschritt zustande gekommen. Zudem werden nachhaltige Produktionsprinzipien, Bewilligungspflichten, Umweltsbestimmungen, politisches Umfeld und das Regime der Lizenzgebühren immer belastender. Künstliche Herstellungsmöglichkeiten gibt es keine, bereits die früheren Alchemisten waren erfolglos.

Die Nachfrage teilt sich in Industrie-, Schmuck- und Finanzmarktbedarf auf. Die Industrienachfrage ist relativ stabil und wächst analog zum Wachstum der Weltwirtschaft. Neue Bestimmungen bezüglich Umweltschutz, Energieeffizienz und dergleichen könnten für eine Erhöhung der Nachfrage sorgen, sind aber unwahrscheinlich. Die Schmucknachfrage ist zyklisch und erst noch von Bestimmungen in einzelnen Ländern abhängig. Langfristig wird aber die Zunahme der Nachfrage aus Asien erkennbar. Die entscheidende Nachfrage kommt aus der Finanzwelt. Gold war schon immer nicht nur ein Symbol für Reichtum und Ansehen, sondern diente auch als Werterhaltungsmittel. Die Rede ist von physischem Gold, wo die Käufe der Zentralbanken gerade auf ein 50-Jahres Hoch geklettert sind. Papiergold, das viel zur Goldhausse 2009 – 2012 und noch mehr zur Goldbaisse 2012 – Ende 2015 beigetragen hat, ist heute nicht gefragt.

Zentralbanken und Politik

Die Rolle der US Federal Reserve Bank beim Goldpreis ist von zentraler Bedeutung, da eine enge positive Korrelation zwischen Zinssenkungen (Fed Fund Rates) und einem Anstieg des Goldpreises besteht. Das Fed hat erst kürzlich zu verstehen gegeben, dass ihre Zinserhöhungen und der Abbau der Bilanz vorerst aufs Eis gelegt sind. Angesichts der Abschwächung der Wirtschaft sowie hohem steigenden Budgetdefizit und besorgniseregenden Staatsschulden kann von einer Zinsnormalisierung nicht mehr ausgegangen werden. Eine neue Zinssenkungsgrunde ist denkbar. Die weltweite politische Unsicherheit ist mit Händen zu greifen, alle westlichen Demokratien haben Probleme und der Vertrauensverlust in die politische Führung wird zunehmends grösser. Die Rolle von Gold in einem solchen oder ähnlichen Umfeld ist gut dokumentiert.

Ausblick Goldaktien

Goldaktien sind mit einem Preis/Cashflow-Verhältnis von rund 1% so günstig wie seit 30 Jahren nicht mehr und das Renditepotential in einem Bullmarkt überproportional. Der Sektor ist schon lange vernachlässigt, da viele Investoren angesichts der Kursverluste „gebrannte Kinder“ sind und doch hat er nichts von seinen positiven Diversifikationseigenschaften verloren. Die aktuelle Korrelation mit den Aktienmärkten beträgt 0.0037. Bei der Auswahl von Einzeltiteln ist vorerst die Frage, ob in grosskapitalisierten (Majors) oder kleinere Gesellschaften (Juniors) investiert werden soll.  Bei den Majors ist die Konsolidierungswelle (Barrick Gold, Newmont Mining, Goldcorp), in der Hoffnung auf tiefere Produktionskosten und Portfoliobereinigungen, noch nicht abgeschlossen. Dies ist sowohl positiv wie negativ auszulegen, denn es ist wohl ein Zeichen, dass sie den Ernst der Lage erkannt haben, anderseits können folgenschwere Fehler gemacht werden. Die Juniors profitieren davon und sind keine „Gemischtwarenläden“, dafür aber risikoreicher.

Schlussfolgerungen

Der Zeitpunkt für ein Engagement in Gold und/oder Goldaktien scheint opportun, eine vernachlässigte Anlageklasse mit Diversifikationsvorteilen und guten Aussichten auf eine höhere Bewertung ist zumindest überlegenswert. Konservativen Anlegern bieten sich genügend Möglichkeiten, sowohl den Goldpreis (mit physischem Gold hinterlegten ETFs) als auch Goldaktien (Goldfonds) zu berücksichtigen. Bei Einzeltiteln sollte die Auswahl mindestens 4 bis 6 Titel einbeziehen.


Christian Wagner
Finanzberater