Wahlergebnis in den USA fällt wie vom Konsensus erwartet aus. Da zusätzliche Steuersenkungen vom Tisch sind und Washington „zunehmend führerlos“ sein wird, dürften die Tage eines starken Dollars gezählt sein.

Steuersenkungen 2.0 sind vom Tisch

Die Republikaner haben die Mehrheit im Unterhaus verloren. Mit einem Zugewinn von vermutlich mehr als 30 Sitzen fiel der Wahlsieg der Demokraten im Unterhaus deutlicher als vom Konsensus aus.

Die Republikaner konnten, wie erwartet, den Senat halten. Den Siegen der Republikaner gegen Demokratische Senatoren in Florida, Indiana, Norddakota und Missouri stehen Gewinne der Demokraten in Kansas, Michigan und Illinois gegenüber.

Damit ist eine weitere Runde von Steuersenkungen, die Präsident Trump in Aussicht gestellt hatte vom Tisch. Als logische Reaktion auf dieses Wahlergebnis sank die Verzinsung von amerikanischen Staatsanleihen und der US-Dollar gab leicht nach.

USA werden, wie die EU „führerlos sein“

Bisher war die Europäische Union mit dem de facto Ende der „Merkel-Ära“ im Vergleich zu den USA „extrem führerlos“, insbesondere zu den USA (von Grossbritannien ganz zu schweigen).

Die EU bleibt „führerlos“, aber die USA werden, was das politische Chaos betrifft, den Abstand zu Europa stark verringern. Wie in der EU, wird in den USA, was politische Reformen betrifft, ein weitgehender Stillstand einkehren.

US-Dollar Stärke bald Geschichte

Mit den neuesten Entwicklungen ist es sehr wahrscheinlich, dass die Tage eines starken US-Dollars gezählt sind, insbesondere gegenüber dem Pfund und dem Euro.

Den Hausdemokraten dürfte es gelingen weitere Untersuchungen gegen Präsident Trump in den Bereichen Steuern, Interessenkonflikte, Russland-Verbindungen zu initiieren und die bestehenden aggressiver voranzutreiben.

Das demokratische Unterhaus kann und wird Anhörungen anordnen, Zeugen vorladen und in allen Komitees und Übersichtsfunktionen in den Bereichen Militär, Aussenpolitik und Geheimdienste versuchen, der Trump Administration möglichst viele Steine in den Weg zu legen.

Das Unterhaus vertritt eine weniger freundliche Politik gegenüber Saudi-Arabien und Nordkorea sowie eine deutlich aggressivere Politik gegenüber Russland. Dies wird man in der amerikanischen Realpolitik bald spüren.

Die Fähigkeiten, Kompromisse zu schliessen, ausgleichend zu wirken, wären jetzt gefragt, um Stillstand zu verhindern. Der Leser mag selbst urteilen, ob diese zu den Stärken von Präsident Trump gehören.

Mit dem republikanisch kontrollierten Senat ist ein erfolgreiches Amtsenthebungsverfahren praktisch undenkbar.

Das Wahlergebnis hat die Chancen auf eine Jahresendrally nicht reduziert.


Thomas Härter
Chief Investment Officer Aquila