Auf Wikipedia wird die Coronavirus-Pandemie als ein Ausbruch der neu aufgetretenen Atemwegserkrankung COVID-19 beschrieben. Diese Erkrankung war erstmals im Dezember 2019 in der Millionenstadt Wuhan der chinesischen Provinz Hubei auffällig geworden, entwickelte sich im Januar 2020 in China zur Epidemie und breitete sich schliesslich weltweit rasant zu einer Pandemie aus.

Aufgrund dieser neuartigen und sehr aggressiven Erkrankung waren und sind weltweit alle Menschen (soweit sie überhaupt die Möglichkeiten haben) dazu aufgefordert, mittels diverser Sicherheitsmassnahmen eine weitere Ausbreitung dieser Krankheit zu minimieren und somit insbesondere die erkannte Risikogruppe vor deren Ansteckung zu schützen. In zahlreichen Ländern ist die Pandemie inzwischen durch massive Einschnitte in das öffentliche als auch das Privatleben ihrer Bürger sowie durch eine Wirtschaftskrise in unbekanntem Ausmass gekennzeichnet.

Viele Unternehmen, namentlich auch die Aquila AG, haben frühzeitig umfangreiche Massnahmen ergriffen, damit die Gesundheit der Partner, Mitarbeiter und Kunden nicht gefährdet war und eine Ausbreitung verhindert oder mindestens eingeschränkt wurde. Somit konnte erreicht werden, dass in Ländern mit einem etablierten Gesundheitssystem wie der Schweiz, das System nicht kollabierte.

Wie der Fall von Aquila AG aber zeigt, sind und waren grosse Herausforderungen sowohl auf allen Unternehmensstufen als auch persönlich bei den Mitarbeitern zu meistern, um die Gesundheit aller Beteiligten, wie auch eine weiterhin hohe Servicequalität und damit einhergehend auch das Weiterbestehen der Firma sicherzustellen. Als Dienstleistungsunternehmen im Finanzsektor und somit zu den grundversorgenden Unternehmen gehörend, hatte der Lockdown auf unser Unternehmen jedoch wesentlich geringere Auswirkungen, als dies andere Industrien wie z.B. der Tourismus oder das Gastgewerbe zu spüren bekamen.

Nach den ersten Lockerungen möchten wir mit einer gewissen Distanz zurückschauen und verschiedene Kolleginnen und Kollegen im Unternehmen über deren Erkenntnisse, Gefühle und auch persönliche Erlebnisse während dieser Zeit zu Wort kommen lassen:

 

Max Cotting, CEO und Haupteigentümer

Die ausserordentliche Lage hat auch bei Aquila AG eine rasante Entwicklung bei der Digitalisierung gebracht und so arbeitete bei uns rund 90% der Belegschaft während 3 Monaten im Homeoffice. Homeoffice hatte sich im Team innert kürzester Zeit bestens eingespielt und es wurden auch sämtliche Meetings, interne wie auch externe, als Telefon- oder Videokonferenzen abgehalten.

Diese Konferenzen und somit die regelmässige Kommunikation und der Austausch von aktuellen Informationen und Erkenntnissen innerhalb des Managements, der Mitarbeitenden und vor allem auch mit Partnern und Kunden war ein zentrales Element, um den Betrieb erfolgreich weiterführen zu können. Nur so konnte den Partnern und Kunden die Sicherheit gegeben werden, dass sie auf dem gewohnten Servicelevel weiter bedient werden und wir für sie da sind.

Trotzdem war es für diese Aufrechterhaltung der Serviceerbringung für Partner und Kunden wichtig und unerlässlich, dass ein kleiner Teil der Mitarbeiter täglich vor Ort im Büro arbeitete und auch, dass der Chef selbst regelmässig vor Ort war und auf diese Weise seinen Support für das Team zeigen konnte. Dies ist der Grund, weshalb ich selbst während der gesamten ausserordentlichen Lage jeweils am Montagmorgen von Zermatt nach Zürich reiste, um dann Mitte Woche wieder zurück nach Zermatt ins Homeoffice zu kehren.

«Hatte immer ein ganzes SBB-Abteil für mich allein.»

Hansjürg Lusti, COO

Aus heutiger Sicht betrachtet haben wir sehr wertvolle Erfahrungen sammeln können. Nachdem die ersten Nachrichten über das neuartige Virus in China eintrafen, schien es für mich vorerst ein isoliertes Problem in einer chinesischen Stadt zu sein. Wegen der raschen und globalen Verbreitung waren dann die Auswirkungen doch einiges heftiger und rascher als wohl viele gedacht hatten.

Die auferlegten Einschränkungen in der Bewegungsfreiheit, aber auch die BAG-Handlungsempfehlungen und die wachsenden Sorgen und Unsicherheiten bei allen Beteiligten waren Grund genug, um den Fokus neu auszurichten und sicherzustellen, dass alle sicher und geschützt arbeiten konnten. Durch die laufende Beschäftigung, was in verschiedenen Notfall-Szenarien zu tun wäre, hatten wir einige Puzzleteile für die Informatik und Organisation eigentlich schon in der Hand, welche wir rasch implementieren konnten. Dies obschon in unseren Überlegungen bis dahin das mögliche Verhalten bei einer Pandemie nicht eingeflossen war.

Wichtig war auch, dass wir z.B. über den Business Chat alternative Kanäle für die rasche, gesicherte und problemlose Kommunikation mit allen Mitarbeitern über deren private Geräte etablieren und so einen direkten Austausch zwischen allen ermöglichen konnten.  Für einzelne Teams haben wir tägliche, kurze Videokonferenzen durchgeführt, um Projekte weitertreiben und trotzdem Kontakte pflegen zu können. Auch haben diese Videokonferenzen einen kleinen Einblick in das Zuhause der Mitarbeiter erlaubt und für die eine oder andere Erheiterung gesorgt. Und auch die Geschäftsleitung konnte mit wöchentlichen Videokonferenzen den Austausch verbessern. Beim Zugang und Umgang mit der physisch eintreffenden Post für die Partnergesellschaften hat sich uns gezeigt, dass, dank Engagement und auch der Flexibilität aller Beteiligten, eine einfache Lösung etabliert werden konnte.

«Die Videokonferenzen haben einen kleinen Einblick in das Zuhause der Mitarbeiter erlaubt und für die eine oder andere Erheiterung gesorgt.»

In dieser Zeit konnten zudem der Blick und die Wahrnehmung auf sonst oft kaum beachtete und hinterfragte Muster und Verhaltensweisen neu geschärft werden. Einiges an Hektik aus früheren Tagen verschwand aus dem Alltag und eine gewisse Ruhe kehrte ein. Diese Erfahrung habe ich als sehr positiv empfunden.

 

Reto Käser, Leiter IT Infrastruktur

Es hat sich doch so einiges geändert in den letzten Monaten …

Seit einigen Jahren installieren wir für unsere Partnergesellschaften sowie für einzelne Mitarbeitende virtuelle IT-Lösungen im Datacenter. Mit dieser Lösung hat man das Büro immer mit dabei und ist nicht mehr angewiesen, immer im Büro anwesend zu sein. Somit wussten wir bereits, dass diese Lösung funktioniert und bis zur Umsetzung nur die Zugriffe für alle Benutzer erstellt werden mussten. Doch was passiert, wenn plötzlich 250 oder sogar 300 Benutzer täglich vom Homeoffice auf die IT-Infrastruktur zugreifen? Diese Frage haben wir uns mehrere Male gestellt, konnten dieses Szenario in dem Umfang jedoch nie testen. Aus diesem Grund haben wir versucht, bereits im Vorfeld die Last der Verbindungen auf verschiedene Eingangspunkte zu verteilen, damit kein Datenstau an einem Ort entstehen kann. Somit waren wir gut gerüstet und bereit für die Umstellung „Homeoffice für alle“.

So kam der Tag und der Entscheid wurde gefällt resp. vom BAG vorgegeben, Homeoffice für alle (wo möglich) anzuordnen. Nach einigen unruhigen Nächten mit vielen Überlegungen und Gedanken kam dann die positive Bestätigung und Rückmeldung, dass das installierte Setup sowie unsere Überlegungen richtig waren und auch dieser grossen Anzahl Benutzern Stand hält.

Von nun an konnten wir uns im IT-Team um die Anfragen der Benutzer kümmern. Wir erlebten seit Mitte März 2020 sehr intensive und lange Tage. Grössere Projekte mussten vorübergehend gestoppt werden, da zuerst die täglichen Anfragen bewältigt werden mussten. Tägliche Videokonferenzen im IT-Team und die richtigen Arbeitsmittel halfen uns, die wichtigen Informationen zu teilen, damit jeder auf dem gleichen Stand war und auf die wichtigen Informationen zugreifen konnte.

Viele neue Anforderungen wie zum Beispiel Teamsitzungen über Telefon- oder Videokonferenz wie auch der Einsatz von Softwarelösungen für die Koordination der Teams kamen hinzu. Ebenfalls erwarte ich den nächsten Wochen interessante Gespräche betreffend  Arbeitsmöglichkeiten, welche der oder die eine oder andere aus den letzten Wochen beizubehalten wünscht.

«Ein Umdenken betreffend Arbeitsweise hat bereits stattgefunden und die Einstellung zum Homeoffice und den dazugehörenden Möglichkeiten hat sich bei vielen Benutzern geändert.»

…und sollten wir nun nicht das eine oder andere auch beibehalten?

 

Markus Angst, Leiter Banking

Hätte mir jemand vor 3 Monaten gesagt, dass das Team Banking demnächst mehrheitlich aus dem Homeoffice arbeiten würde, dann hätte ich diese Person als realitätsfremd bezeichnet, welche keine Ahnung vom täglichen Geschäft und den damit verbundenen Risiken hat.

Die aktuelle Situation zeigt aber, dass dies mit der richtigen IT-Infrastruktur, den geeigneten Outsourcing Partnern, einem bereits sehr digitalen Setup, verständnisvollen Kunden, einem sehr erfahrenen Team und nicht zuletzt dank einer, auch in dieser für uns ungewohnten Situation, stets professionellen Einstellung absolut möglich ist.

Als Verantwortlicher für die erste Schweizer Depot- und Abwicklungsbank exklusiv für die Kunden unabhängiger Vermögensverwalter macht man sich schon Sorgen, wenn man plötzlich mit dem Szenario einer vollständigen oder teilweisen regionalen Abschottung konfrontiert wird. Dank der Tatsache, dass wir bereits frühzeitig eine mögliche Homeoffice Lösung testen konnten, hat sich die Sorge auf das Wohlergehen der Mitarbeiter reduziert. Die Hoffnung war, dass bei einer Infektion, diese nicht schwerwiegend verlaufen würde und gleichzeitig nicht alle zusammen krank werden würden, was wiederum die Aufrechterhaltung der Dienstleistung erschwert hätte. Nach einem bereits unproblematischen Start haben wir sehr schnell erkannt, dass aus dem Homeoffice mit einer guten und vorbildlichen Absprache und sehr kollegialen Partnern alle Leistungen erbracht werden konnten. Einzig administratorische Arbeiten bei denen leistungsstarke Drucker, Scanner etc. benötigt wurden, waren einfacher aus dem Office in Zürich zu erbringen. Hier haben wir uns so aufgeteilt, dass alternierend immer ein Kleinstbestand an Mitarbeitenden vor Ort anwesend war und somit auch diese Arbeit sicherstellen konnten.

Erfreulich war auch die Tatsache, dass wir auch während diesen Wochen, zahlreiche Neukundeneröffnungen erhielten und, trotz der mehrheitlichen Tätigkeit im Homeoffice, die Beziehungseröffnung wie gewohnt in spätestens 2 Tagen nach Erhalt dem Kunden bestätigen konnten. Grosses Kompliment an dieser Stelle auch an unsere Kolleginnen von Compliance.

Bezüglich den wesentlichen Marktverwerfungen während der letzten Woche darf noch angemerkt werden, dass wir aufgrund der konservativen Kreditpolitik keine «Margin Calls» aussprechen mussten und somit die Liquidität unserer Kunden wie auch der Aquila AG selbst zu keiner Zeit einem Risiko aussetzten.

«Mit einer gewissen Distanz zum Geschehenen lässt sich nun rückblickend erkennen, dass uns die Corona Krise, ob wir wollten oder nicht, digital um Jahre beschleunigt hat.»

Es ist unser Ziel, die daraus gewonnenen positiven Erkenntnisse nachhaltig zu berücksichtigen. Wir haben bewiesen, dass wir den täglichen Betrieb auch aus einem Homeoffice betreiben können, haben aber auch erkannt, dass uns der physische Kontakt mit unseren Partnern, Kunden und auch Kollegen und Kolleginnen doch fehlt. Wir freuen uns, diese Freundschaften nun wieder aktiver zu pflegen.

 

Christian Näf, Leiter Fiduciary im Homeoffice mit einer berufstätigen Ehefrau und 2 Kleinkindern

Als ich anfangs März an einer internen Sitzung gefragt wurde, ob das Team Fiduciary im Homeoffice arbeiten könnte, hatte ich dies damals verneint. Wir sind zu abhängig von unserer physischen Post, zu «papierlastig» und ohne all die Unterlagen im Büro zu eingeschränkt, so meine Argumente damals. Heute, lediglich ein paar Monate später, kann ich rückblickend sagen, dass ich eines Besseren belehrt wurde und die Zeit im Homeoffice, mit ein paar wenigen Einschränkungen, sehr gut funktioniert hat. Ich bin stolz auf das Team, denn ohne vorherige Erfahrungen mit Homeoffice hat von heute auf Morgen alles einwandfrei funktioniert. Nach ein paar wenigen Teamviewer-Supports durch die IT hatten bald einmal alle ihre Homeoffice-Infrastruktur im Griff.

Unser Team wurde in drei Gruppen aufgeteilt, sodass jeder von uns zwischendurch zu zweit oder zu dritt im Büro war. So konnte jeder auch seine physische Post verarbeiten und die aufgelaufenen Druck- und Scanningaufträge ausführen. Auf die Termine der Quartals- und Jahresabschlüsse hatte die Zeit zu Hause praktisch keine Auswirkungen.

Im Homeoffice angekommen, kamen plötzlich zusätzlich die Herausforderungen einer noch jungen Familie zum Tragen. Normalerweise sind unsere Kinder zwei Tage pro Woche in der Kinderkrippe, während meine Frau auch arbeitet. Auf Empfehlung des BAG haben wir unsere Kinder ab dem Lockdown nicht mehr fremdbetreuen lassen. Die Kinder waren demzufolge 7 Tage die Woche zu Hause, heisst die gesamte Betreuung musste von uns berufstätigen Eltern übernommen werden. Meine Frau ist glücklicherweise selbstständig und hat ein super Team, sodass sie ab Tag 1 meiner Homeoffice Zeit zurückgesteckt hat, wo es nur ging, um für die Kinder da zu sein. Nur wenn sie eine Sitzung oder einen wichtigen Termin hatte, sprang ich kurz für eine Stunde ein und spielte mit den Kindern. Hätte mir meine Frau nicht so den Rücken freigehalten, hätte ich vermutlich mit meinem Vorgesetzten über eine vorübergehende Pensumsreduktion sprechen müssen. Dank dem praktisch immer schönen Wetter konnten die Kinder viel draussen beschäftig werden und die familiären Reibereien hielten sich stark in Grenzen.

«Ich möchte mir nicht ausdenken müssen, wie es herausgekommen wäre, wenn der April seinem Namen gerecht geworden wäre

Mittlerweile ist es schon fast zum Alltag geworden, dass die ganze Familie zusammen Mittag isst. Dies hat auch unsere ältere Tochter realisiert und freut sich sehr darüber, mehr Zeit mit mir zu verbringen.

Rückblickend war es eine sehr lehrreiche Zeit, die ich aber auf die Dauer nicht haben möchte, denn der zwischenmenschliche Aspekt fehlt mir sehr. Ab und zu ein Tag Homeoffice kann ich mir gut vorstellen, da ich zu Hause gut eingerichtet bin. Dies ist leider nicht bei jedem im  Team der Fall. Nicht selten musste der heimische Esstisch als vorübergehenden Arbeitsbereich herhalten. Ich freue mich auf die Normalität.

 

Cynthia Oggenfuss, Legal und Angehörige einer Risikogruppe

Bereits anfangs März, als alle noch «normal» zur Arbeit ins Büro gekommen sind, habe ich (aufgrund meiner Zugehörigkeit zu einer Risikogruppe) ins Homeoffice gewechselt. Das Risiko, dass ich mich auf dem Weg zur Arbeit oder aber auch im Büro selbst hätte anstecken können, war innert kurzer Zeit so gross geworden, dass ich sozusagen von heute auf morgen ins Homeoffice wechseln musste. Dies war zum Glück möglich, da meine Vorgesetzte sich meiner Kondition bewusst war und vorausschauend bereits alles Notwendige in die Wege geleitet hatte.

Das Arbeiten im Homeoffice hat die ganze Zeit über, abgesehen von den üblichen technischen Pannen, einwandfrei funktioniert. Wir sind im Team Legal drei Anwältinnen, welche alle Teilzeit arbeiten. Aufgrund dessen sind wir es uns gewohnt, uns miteinander abzusprechen, Aufträge einander weiterzugeben, uns gegenseitig auf dem Laufenden zu halten sowie generell uns aufeinander abzustimmen. Ich bin überzeugt davon, dass uns diese Flexibilität den Übergang ins Homeoffice enorm erleichtert hat.

Nichtsdestotrotz hatte die Arbeit im Homeoffice auch seine Schattenseiten, insbesondere für mich persönlich. Als Risikopatientin hatte sich mein ganzes Leben nach Hause in meine Wohnung verlagert. Nebst der Arbeit verrichtete ich neuerdings auch meine Einkäufe online von zu Hause aus, mein Sportprogramm bestand nur noch aus Joggingrunden in der Umgebung oder einer Online-Yogaklasse im Wohnzimmer und auch alle sozialen Kontakte beschränkten sich auf Telefongespräche oder Videotelefonie. Zusätzlich musste auch mein Verlobter all diese Restriktionen einhalten, um mich besonders zu schützen.

«Es erstaunt daher auch nicht, dass mir je länger desto mehr die «Decke auf den Kopf gefallen ist», wie man so schön sagt und ich habe es sehr vermisst, ins Büro gehen zu dürfen.»

Was ich immer als Verpflichtung angesehen haben, betrachtet ich neu als Privileg.

Seit nun die Anzahl der Neuansteckungen stark abgenommen hat, darf auch ich wieder ins Büro kommen. Anfangs haben wir uns in unserem Dreierteam mit den Bürotagen so aufgeteilt, dass jeweils nur eine von uns im Büro war. Mittlerweile können wir sogar schon wieder zu zweit im Büro sein und befinden uns auf dem Weg zurück in den Alltag. Ganz alles ist dennoch nicht wie vorher, so kann ich zwar wieder ins Büro kommen, darf aber weiterhin kein öffentliches Verkehrsmittel benutzen, was bei uns, mit nur einem Auto zu Hause, eine genaue Planung der Woche sowie auch der einzelnen Arbeitstage erfordert – denn wie auch in der Quarantäne, muss mein Verlobter ebenfalls auf die Benutzung des öffentlichen Verkehrs verzichten.

Obwohl es eine gute Erfahrung war zu sehen, wie gut die Zusammenarbeit im Homeoffice tatsächlich funktioniert und wir in Zukunft bestimmt auch mehr davon Gebrauch machen werden, schätze ich es sehr, wieder im Büro sein zu dürfen.

 

Claudio Henseler, Asset Management und Rückkehrer von einer längeren Auslandreise

Die zweimonatige Reise, welche von Januar bis März 2020 dauern sollte, war seit längerem beschlossene Sache. Diese sollte meine Partnerin und mich zu Beginn durch Australien und anschliessend durch Vietnam führen. Gegen Ende des ersten Teils unserer Reise erfuhren wir durch die Medien, dass in Australien ein erster COVID-19 Fall bestätigt wurde. Wie vermutlich viele andere auch, dachten wir jedoch zu diesem Zeitpunkt, dies bleibe die Ausnahme und die Erklärung liege möglicherweise in der Nähe zu China.  Nach unserer Ankunft in Hanoi zeigte sich uns dann aber ein komplett anderes Bild. Die Regierung hatte sämtliche Schulen bereits seit mehreren Wochen für lange Zeit schliessen lassen. Praktisch alle trugen hier Gesichtsmasken und überall wurde einem Desinfektionsmittel in die Hände geschmiert. Die früh-präventiven Massnahmen zahlten sich in Vietnam aus, sie hatten generell sehr wenige Fälle zu verzeichnen. Glücklicherweise konnten wir (mit Ausnahme des gelegentlichen Fiebermessens) auch hier unbeschwert durch dieses wunderschöne Land reisen.

Als wir schlussendlich zwischen Buschbränden und Coronaviren gesund und munter heimkehrten, erwartete mich die nächste Überraschung. Da unser Rückflug via Singapur erfolgte, wurde ich nach Absprache mit meinem Arbeitgeber bzw. auf Anraten des BAG (Singapur war eines der ersten Risikoländer dazumal) zu Quarantäne, also zu Homeoffice, «verdonnert». Folglich holte ich das ganze Equipment wie Laptop, Bildschirme etc., welche von heute auf morgen sofort bereitstanden, im Büro ab bzw. wurden diese für mich hinterlegt, sodass bereits hier alle «kontaktlosen» Bedingungen erfüllt waren. Auch im privaten Umfeld blieb ich natürlich isoliert.

«Das alles fühlte sich schon ziemlich komisch an, ein «zuhause ankommen» fand nicht wirklich statt.»

So begann ich meine Pendenzen von Zuhause aus abzuarbeiten und war sehr positiv überrascht, wie einwandfrei alles funktionierte. An dieser Stelle ein grosses Lob an das IT-Team, welches immer erreichbar war und uns tadellos unterstützte. In den darauffolgenden Tagen häuften sich die Meldungen von rapide ansteigenden Neuansteckungen, was schlussendlich zum landesweiten Lockdown führte und auch bei uns im Stammhaus Aquila AG der Grossteil der Mitarbeitenden ins Homeoffice beorderte. Teamintern vereinbarten wir, dass jeweils eine Person täglich im Büro präsent sein soll, um unter anderem auch administrative Tätigkeiten wie die tägliche Post bearbeiten zu können.

Nachdem in dieser prekären Zeit immer mehr Länder den Lockdown beschlossen, tauchten die Finanzmärkte in noch nie gesehener Geschwindigkeit ab, es herrschte Panik an den Börsen. Sofort besprachen wir im Team via Telefon und Videokonferenz die taktische Positionierung und die weitere Vorgehensweise. Zudem beschlossen wir, regelmässig «Webex-Konferenzen» für unsere Partnergesellschaften anzubieten. In diesen Online-Präsentationen informierten wir jeweils über die neusten Zahlen der Pandemie sowie die aktuellen Ereignisse an den Finanzmärkten mit jeweiligen Vorschlägen zu Positionierungen. In dieser ausserordentlich wichtigen und heiklen Marktlage funktionierte der Austausch im Team sowie mit den Partnern ausgezeichnet, auch dank der sehr gut funktionierenden Technik und Infrastruktur.

Das Coronavirus wird sicherlich viele Unternehmen zum Umdenken zwingen. Die Pandemie hat zahlreiche Schwachstellen im System offengelegt, beispielsweise im Gesundheitssystem, in der Abhängigkeit von anderen Ländern aufgrund komplexer Lieferketten oder der Mangel an Digitalisierung.

«Radikale Änderungen sind die ergiebigste Quelle für unternehmerische Chancen, heisst es.»

Es wird sich zeigen, wer von neuen Geschäftsfeldern profitieren wird. Sicherlich sind Unternehmen wie die Aquila AG, die Mut zeigt, seit längerem in Innovation und technologischen Fortschritt investiert und den Fokus klar auf die Bedürfnisse der Kunden richtet, gut für die weitere Zukunft positioniert.

 

Franziska Ochsner, Immobilien-Bewirtschaftung und -Verwaltung, Notfall-Verantwortliche

und während Corona ad Interim Übernahme Empfang, Postzustellung und Materialbeschaffung

Am Freitag, 13. März 2020 hat die Geschäftsleitung von Aquila AG entschieden, das Appenzeller Haus für «Fremde» zu schliessen. Dies beinhaltete:

  • Schliessung des Empfangs und keinerlei Sitzungszimmer-Benutzung
  • Empfang Post-Paketpost, DHL etc. organisieren und entgegennehmen
  • Keine direkte Postzustellung (46 Unteradressen Postfach) durch unsere interne Postzustellerin, welche altersbedingt zur Risikogruppe gehört
  • Desinfektionsmittel, Ständer und Beschilderung organisieren
  • Leistungsverzeichnis mit den Reinigungsfirmen anpassen (Intervall Reinigung und Desinfektion)
  • Sämtliche Handwerkertermine oder Ähnliches mussten gestoppt und auf unbestimmte Zeit verschoben werden

Diese Änderungen wurden am gleichen Abend an alle Partner und Stammhausmitarbeitenden kommuniziert. Es wurde vereinbart, dass ab Montag, 16. März 2020 die Post weiterhin im Appenzeller Haus angeliefert, durch mich sortiert und dann direkt durch die Partner in einem bestimmten Zeitfenster abgeholt wird. Unter Mithilfe der Partner hat sich dies innert kürzester Zeit sehr gut eingespielt.

Als sehr beschwerlich hat sich die Materialbeschaffung herausgestellt. Bereits im Vorfeld haben wir versucht, über das Internet Desinfektionsmittel, Masken,  Desinfektions-Reinigungstücher etc. zu bestellen. Leider war dies bereits nicht mehr möglich, resp. die Artikel wurden mit unklaren Verweisen «auf unbestimmte Zeit nicht lieferbar» gekennzeichnet. Somit habe ich sämtliche Apotheken und Papeterien im Kreis 1 und bei mir Zuhause abgeklappert, um wenigstens Kleinstmengen zu ergattern. Mittlerweile sind nun zum Glück aber alle bestellten Gegenstände eingetroffen.

Ich wurde von einigen Personen darauf angesprochen, wie ich damit umgehe, täglich mit sehr vielen unterschiedlichen Menschen in Kontakt zu sein. Einerseits fühlte ich mich ziemlich sicher, dank dem, dass mir kurzerhand ein Parkplatz zur Verfügung gestellt wurde und ich somit mit meinem Auto direkt von Tür zu Tür fahren konnte, andererseits war ich aber auch darauf erpicht, alle Türgriffe, Öffner, Liftknöpfe etc. nur mit Desinfektionstüchlein anzufassen und ständig alles abzuwischen und natürlich den nötigen Abstand einzuhalten. In meinem Privatleben habe ich mich sehr isoliert. Ausser mit meinem Partner und ab und zu mit meinen beiden Söhnen hatte ich keinerlei weitere Kontakte zu anderen Personen. Somit hat sich für mich in kurzer Zeit ein relativ gutes und sicheres Gefühl eingestellt.

Grundsätzlich mein Fazit aus der erlebten, teils sehr hektischen Zeit: Die veränderten Umstände haben zu mehr Miteinander, Mithilfe, Verständnis und auch netten Begegnungen, «zwar mit dem nötigen Abstand», geführt.

«Mein Wunsch wäre, dass das eine oder andere «Gute» aus der erlebten Zeit auch nach einer Öffnung beibehalten werden könnte und dass sich alle an die Weisungen halten und gesund bleiben.»

 

Wir danken allen Kolleginnen und Kollegen, die mit ihren persönlichen Beiträgen zu diesem Blogpost beigetragen haben und unseren Lesern einen kleinen, individuellen Einblick in ihren «abnormalen Büroalltag» gewährt haben.

Passen Sie, liebe Leserin, lieber Leser auf sich auf und bleiben Sie alle gesund.


Markus Angst
Leiter Banking Services Aquila