Für einige ist «Bitcoin» unsere Geld-Zukunft. Nach dem irrationalen Anstieg der Kryptowährung Bitcoin drängen sich allerdings Parallelen zur Dotcom-Blase Ende der 90er-Jahre auf.

Bitcoin versetzt die Massen in einen Rausch: Die digitale Währung kostet inzwischen deutlich mehr als Gold. Dies ist äusserst bemerkenswert: Denn anders als das Gold ist die Kryptowährung rein virtuell und von zentralen Finanzinstitutionen unabhängig. Die digitale Währung unterliegt weder einer von Zentralbanken verfolgten Währungspolitik, noch deren Leitzinsen. Dies beinhaltet auf der einen Seite Gefahren, macht die Kryptowährung aber andererseits für diejenigen erst recht interessant, welche an den Notenbanken zweifeln. Die Preisbildung erfolgt bei Bitcoin mittels Angebot und Nachfrage. Kurzfristig ist dies ein Argument für einen weiteren Anstieg. Bitcoin ist derzeit in aller Munde und es herrscht ein regelrechter Hype in den Medien. Doch der Kursanstieg ist real: Je mehr Bitcoin eine Alternative wird zu dem von den Notenbanken herausgegebenen und kontrollierten Geld, desto mehr könnte auch die Nachfrage nach Bitcoin zunehmen und damit der Preis noch mehr steigen. Gerade weil die Zentralbanken keinen direkten Einfluss auf Bitcoin haben, wird sie von einigen Investoren geschätzt, welche Zweifel an der auf spotbilligem Geld basierenden Währungspolitik haben wie sie die US-Notenbank, die Europäische Zentralbank oder die Bank of Japan seit Jahren praktizieren. Ein grosses Interesse für die virtuelle Währung gibt es offenbar auch in China. Hier könnte eine Motivation darin bestehen, dass man mit Bitcoin die schärfer werdenden Kapitalverkehrskontrollen der Regierung umgehen kann. Dass die Notenbanken auch in Europa Bitcoin ernst nehmen, zeigt die Tatsache, dass die EU Cryptowährungen wie Bitcoin unter die Geldwäschereibestimmungen stellen will. Damit würde auch für Bitcoin-Geschäfte die Regulierung zunehmen, wobei noch unklar ist, wie die regulatorische Überwachung genau umgesetzt wird.

 

Irrationaler Anstieg

Wer als Investor auf den fahrenden Zug bei Bitcoin aufspringen will, sollte sich vor Augen halten, dass die Alternativwährung bereits stark – irrational stark – gestiegen ist. Mit sachlichen Argumenten lässt sich die Kursentwicklung nicht überzeugend rechtfertigen. Bei Wertpapieren ist dies in der Regel ein Alarmzeichen. Nicht selten kommt es nach einem irrationalen Anstieg zu einer heftigen Korrektur. So hatten wir es zu Beginn des neuen Jahrhunderts erlebt als die Dotcom-Blase mit lautem Getöse geplatzt und viele Investoren kräftig Geld verloren. Parallelen zur Dotcom-Blase drängen sich beim momentanen Bitcoin-Hype durchaus auf. Ebenso wie der Bitcoin-Kurs in den letzten Jahren gestiegen ist, kann er aufgrund einer möglichen Vertrauenskrise wie wir dies bereits in der Vergangenheit erlebt haben, innert kurzer Zeit crashen. Obwohl nach dem Platzen der Dotcom-Blase viele Anleger auf hohen Verlusten sassen, hat der Technologiehype der 90er-Jahre die Wirtschaft revolutioniert: Das Internet wurde erfunden und hat sich rasch durchgesetzt und die Digitalisierung, welche heute die Wirtschaft und Gesellschaft durchdringt, nahm ihren Lauf. Einige Börsenstars von damals blieben aber auf der Strecke oder wurden wie Yahoo durch Google durch andere, erfolgreichere Unternehmen abgelöst und überholt. Es kann gut sein, dass wir später ein anderes, digitales Währungssystem haben. Das muss aber nicht zwingend auf Bitcoin basieren. Die mit Bitcoin verbundene Blockchain-Technologie hat das Potential unsere Wirtschaft nochmals stark zu verändern. Dies bedeutet aber nicht automatisch, dass Bitcoin tatsächlich unser Zukunftsgeld wird und sich langfristig durchsetzt, wenn noch viele andere Kryptowährungen um die Gunst der Investoren buhlen. Rational spricht angesichts des Bitcoin-Rausches in der breiten Öffentlichkeit und den Medien vieles dafür, dass der irrationale Kursanstieg der Krypowährung ein grandioser Hype darstellt. Gegen die Folgen eines Bitcoin-Crashs kann man sich immerhin gut absichern: Indem man physisch Gold kauft, das sogar billiger zu haben ist, als die rein virtuelle Kryptowährung.


Elias A. Hoffmann
Wirtschaftspublizist