Die zunehmende Digitalisierung der Welt hat eine Handvoll Gesellschaften hervorgebracht, die sowohl für die Weltwirtschaft, als auch für die Finanzmärkte immer bedeutender werden. Wie bei der Industrialisierung im 19. und der Mobilisierung im 20. Jahrhundert haben sich einige Unternehmen eine Vormachtstellung erarbeitet, die hinterfragt werden sollte. Nach Jahren des Laisser-faire werden sie jetzt von staatlichen Regulatoren unter die Lupe genommen und müssen sich erklären. Die Tatsache, dass die 5 grossen Betroffenen – Microsoft, Amazon, Apple, Alphabet (Muttergesellschaft von Google) und Facebook – nur eines wirklich gemeinsam haben, macht die Sache nicht einfacher. Das Gemeinsame, das auch zur Bezeichnung „Big Data geführt hat, ist der Einsatz einer IT-Plattform, deren Handhabung kritisch begutachtet wird.

 

Datenmissbrauch

Der Fall „Cambridge Analytica“, in dem Daten von Privatpersonen ohne ihr Wissen en gros zur angeblich statistischen Auswertung weitergegeben wurden, ist nur das bekannteste Beispiel für Datenmissbrauch. Die kürzlich von der EU erlassene DSGVO (Datenschutz-Grundverordnung) versucht, dies zu korrigieren. Der Kunde soll Zugriff zu seinen Daten haben, diese verändern und auch bestimmen können, wem diese zur Verfügung gestellt werden. Obwohl diese Regulierung erst für die EU gilt, ist sie bereits von mehreren Ländern übernommen worden. Dass sich die «Grossen 5» dagegen mobil machen, versteht sich von selbst und da es sich ausschliesslich um nordamerikanische Gesellschaften handelt, wird die USA wohl noch längere Zeit brauchen, um diese Regulierungen zu implementieren.

 

Inhaltverantwortung

Von Anfang an war die Frage nach der Verantwortung für einen Beitrag im Internet eine Herausforderung. Facebook ist die Gesellschaft, welcher dies am meisten Kummer bereitet. Facebook hat sich anfangs nur als Übermittler von Inhalt verstanden und nicht als Teil, der mehr oder minder beaufsichtigten Medien. Mittlerweile hat sich der Ausdruck „Social-Media“ etabliert und es ist die britische Regierung, die demnächst eine unabhängige Aufsichtsbehörde schaffen wird. Ihr Auftrag ist es, schädliche Inhalte auf Plattformen wie Facebook und Youtube zu überwachen und es drohen Milliardengeldstrafen, strafrechtliche Sanktionen oder gar Verbote von Webseiten.

 

Gewinnsteuern

Die Vermutung, dass Gesellschaften im kapitalistischen Wirtschaftssystem bevorzugt behandelt werden, ist nicht neu. Bereits die internationale Ausrichtung der grossen Konglomerate machen das Ausnutzen von Steuervorteilen in einzelnen Staaten möglich. Das geltende Steuerrecht ist aber auf physische Präsenz, Produkte oder Dienstleistungen ausgerichtet und nicht auf digitale Angebote, die keinen fixen Standort haben. Die französische Regierung hat nun als erste reagiert und wird voraussichtlich im Oktober eine Umsatzsteuer von 3% einführen. Der Schritt ist im Grundsatz richtig, hat aber den Nachteil, dass sie automatisch als protektionistisch eingestuft wird, da die zu besteuernden Firmen alle amerikanisch sind. Ein zweiter Ansatz besteht in den Bemühungen, das Steuerdomizil in einer Steueroase zu verunmöglichen.

 

Wettbewerbsschutz

Es kommt zwar in allen Industrien vor, aber die «Grossen 5» haben alleine seit 2010 USD 100 Mrd. netto in bar (und noch mehr in Aktien) für die Übernahmen potentieller Rivalen ausgegeben. Mit ein Grund, warum die Zahl der Hard- und Software-Firmen seit 2000 mit mehr als USD 1 Mrd. Marktkapitalisierung unverändert ist. Die EU hat als erste gehandelt und hat Google verboten, in ihren Suchresultaten bevorzugte Einkaufsmöglichkeiten aufzulisten. Am 24. Juli 2019 hat auch die amerikanische FTC (Federal Trade Commission) unerwartet eine Untersuchung von Facebook eingeleitet. Fast zeitgleich hat das DoJ (Department of Justice) Ermittlungen gegen Onlineplattformen aufgenommen (Antitrust Bestimmungen).  Amazon und Apple sind ebenfalls unter Beobachtung. Erstere weil Daten der Detailhandelsverkäufe für Werbung der eigenen Produkte missbraucht werden, letztere weil sie ihre Appläden benutzen, um für Apple Music zu werben.

 

Schlussfolgerungen

Die Big Tech Unternehmen haben lange von der zunehmenden Digitalisierung der Welt und dem Fehlen von gesellschaftlichen und regulatorischen Richtlinien profitiert. Dies ändert sich rasant und es ist mit negativen Konsequenzen für die Gesellschaften zu rechnen. Da Microsoft, Amazon, Apple, Alphabet und Facebook rund 50% der Kapitalisierung des US IT-Sektors ausmachen, besteht zudem ein Klumpenrisiko, das ernstgenommen werden muss.


Christian Wagner
Finanzberater