Angesichts der Corona- und Ferienzeit ist etwas Humor mit ernstem Hintergrund eher gefragt als eine theoretische Abhandlung. Die folgende Auswahl von Begriffen für die Buchstaben des Alphabets ist nicht ganz willkürlich, soll aber hauptsächlich Vergnügen bereiten.

 

Alpha: Kursgewinn oder Verlust dank marktunabhängigen Faktoren. Ein Portfolio aus lauter Alpha-positiven Einzelaktien ist der Heilige Gral jedes Anlegers.

Beta: Volatilität des Aktienkurs gegenüber Gesamtmarkt. Optimal sind Aktien mit Beta über 1.0x bei steigenden Kursen und umgekehrt.

Chart: Vergleich zweier Variablen, meistens Aktienkurs über Zeit. Es empfiehlt sich den Chart 2-3 Jahre in die Vergangenheit zu verlängern um die Aussagekraft zu prüfen.

Disziplin: Das bewusste Einhalten von bestimmten Parameter ist ein Schlüssel zum Erfolg. Sie gilt für alle Stufen des Anlageprozesses und deren Handhabung.

Emotionen: Gefühlsbewegungen haben keinen Platz bei der Geldanlage. Studien zeigen, dass sie bei Verkaufsentscheide noch häufiger sind als beim Kauf.

Fonds: Von einem Spezialisten verwaltetes Anlagevehikel. Wichtig sind eine zufriedenstellende Performance über längere Zeit und tiefe Kosten (TER = total expense ratio).

Gnomes of Zurich: Ein von Labour Minister in London geschaffener Begriff für die Schweizer Banken, die während der Sterlingkrise 1964 Devisentransaktionen getätigt haben.

Hedge: Absicherung gegen Wertverlust. Ein Hedge kostet Geld und kann der Zeitachse kaum gerecht werden. Meist ist das Vertrauen in die getätigte Anlage die bessere Lösung.

Index: Statistischer Wert einer representativen Auswahl von Aktien. Die Kalkulation kann preis-, wert- oder gleichgewichtet sein. Anleger sind mit einer Indexperformance meist zufrieden, obwohl es eine ansehnliche Anzahl Aktien gibt, die besser abschneiden.

Junk: Obligationen mit einer Bonität von BB+/Ba1 oder schlechter, heutzutage leider vermehrt high-yield bonds genannt. Das Wort junk (Ramsch) ist wörtlich zu nehmen.

KYC: Know your Client/Customer ist ein ethisches Konzept der Regulierungsbehörden, um den gröbsten Unfug zu verhindern. Das Problem ist mit Multiple Choice-Fragen leider nicht erledigt.

Liquidität: Genügend grosse Anzahl von Aktien, um reibungslosen Handel zu gewährleisten. Leider wird der anderen Bedeutung, Geldmarktbestand, viel zu wenig Beachtung geschenkt.

Makroökonomie: Analyse der gesamten Wirtschaftslage, der zu viel Aufmerksamkeit geschenkt wird. Mikroökonomie, die Analyse von Industrien/Gesellschaften, sollte im Vordergrund stehen.

NAV: Net Asset Value ist der Wert eines Fonds, wobei alle Wertschriften zum Schlusskurs addiert, alle Verbindlichkeiten substrahiert werden und das Resultat durch die Anzahl Fondsanteile dividiert wird. Achtung: Der so berechnete Wert kann durchaus schon mal einen Monat alt sein!

Option: Das Recht, eine bestimmte Anzahl von Aktien, zu einem bestimmten Preis, während einer festgelegten Zeitperiode zu kaufen (Call-Option) oder zu verkaufen (Put-Option). Ein bestimmter Preis zu einem bestimmten Zeitpunkt ist Hellsehen und die Prämie ein Risikofaktor, also genügt ein richtiger Kauf-/Verkaufsentscheid der Aktie zu Beginn.

Pareto Gesetz: Vilfredo Pareto (1848-1923) formulierte die 80/20-Regel, wonach wahrscheinlich auch 20% der Anlageentscheide, 80% des erzielten Erfolgs ausmachen.

Qualität: Hervorragende Eigenschaften werden immer gesucht, jedoch selten gefunden. Bei aller Definitionsschwierigkeiten ist „besser als der Durchschnitt“ das Entscheidende, wohlwissend dass alles relativ ist.

Risiko: Die messbare Möglichkeit von Verlust gehört zum Anlagegeschäft, kann aber auf verschiedene Arten reduziert werden. Das meist unterschätzte Risiko ist die Tendenz, Fehler nicht zu korrigieren, d.h., nicht mit Verlust zu verkaufen.

Strukturierte Produkte: Nach gewünschten Kriterien geschaffenes Anlagevehikel, das oft auch handelbar ist. Bei Kombinationen von Coupon und Aktienpreisen empfiehlt sich besondere Vorsicht.

Theorie: Die Analyse einer Reihe von Tatsachen und ihrer Beziehung zueinander, z.B. MPT (Modern Portfolio Theory), ein Anlagenentscheidungsprozess, der die Klassifizierung, Abschätzung und Kontrolle von Risiko und Ertrag ermöglicht.

Unrealisierte Gewinne/Verluste: Theoretische Zahlen, da erst ein erfolgter Verkauf echte Zahlen ergibt. Anleger neigen dazu, Gewinne zu schnell zu realisieren und Verluste durch unrealisierte Verkäufe grösser werden zu lassen.

Volatilität: Schnelle und extreme Preisschwankungen. Es kann sein, dass die Aussichten einer Gesellschaft unsicher sind oder dass nur eine beschränkte Anzahl Aktien ausstehend sind.

Witwe- und Waisen-Aktie: Aktie einer Gesellschaft, die eine hohe Dividende hat und als sicher gilt. Sie hat meist ein tiefes Beta und ist in einer nichtzyklischen Industrie tätig.

Xenophobia: Übertriebene Angst vor Fremdem. Anleger haben eine Vorliebe für den Heimmarkt, die sie bessere Anlagemöglichkeiten im Ausland allzu oft vergessen lässt.

Y-Achse: Ordinatenachse im rechtwinkligen Koordinatensystem. Im Finanzwesen ist diese die Preisachse, deren Komponenten untereinander eine Gleichung höheren Grades entsprechen (Parabel, Hyperbel).

Zen: Richtung des Buddhismus, die Erleuchtung/Vorahnung mittels direkter Intuition durch Meditation sucht. Zumindest ist es geeignet, um Stress abzubauen.

 

Jeder oben aufgeführter Begriff ist natürlich eine längere Abhandlung wert und kann selbstverständlich anders interpretiert werden. Die zugeordnete Bedeutung soll auch nur ein Gedankenanstoss sein.


Christian Wagner
Finanzberater