Am 15. November 2018 fand in Zürich der traditionelle Vermögensverwaltertag statt. Dieser stand unter dem Motto: Visionen für die Zukunft -Vermögensverwaltung in einer digitalen Welt.

 

Das Programm

Nach der Begrüssung durch den Gastgeber Max Cotting übernahm der Wirtschaftsjournalist Reto Lipp, bekannt vom Wirtschaftsmagazin ECO des Schweizer Fernsehen, die Moderation des Tages.

Um viele Facetten dieses generell sehr breiten und für viele Vermögensverwalter noch unbekannten Themas abzudecken, hatte Aquila ausgewiesene Fachspezialisten eingeladen.

Andreas Winiarski, der bekannte Serial Entrepreneur und Digital Disruptor aus Deutschland machte den Anfang mit einer keynote speech, in der er auf soziale, politische aber auch kulturelle Aspekte der Digitalisierung einging. Er tat dies in der für ihn typischen philosophischen Art, ohne dabei zu wenig konkret zu sein.

So stellte Andreas das 6-Dimensions-Model vor, welches Unternehmern bei der Überführung eines herkömmlichen in ein digitales Geschäftsmodell eine Hilfe sein kann. Die sechs Kriterien Culture, Business & Produts, Technology, Structure, Talent und Communications, bildlich dargestellt durch den „scrambled Rubik Cube“, müssen dabei gleichzeitig angegangen werden, um in einem Unternehmen einen Kulturwandel herbeiführen zu können.

Trotz aller Euphorie für das Thema Digitalisierung vertritt Andreas die Haltung, dass bestehende gesellschaftliche Werte bei Digitalisierungsprozessen hochgehalten werden müssen. Diese Werte dienen als Basis, auf der digitale Geschäftsmodelle aufgebaut und für kommende Generationen entwickelt werden sollen.

 

Im Anschluss an den keynote speech gaben vier Impulsreferate Einblicke in einzelne Themen einer digitalen Vermögensverwaltung.

 

Dr. Marianne Wildi, CEO der Hypothekarbank Lenzburg AG referierte über die Erfahrungen der „Hypo Lenzburg“ auf dem Weg von einer mittelgrossen Regionalbank im Herzen des Kantons Aargau zu einem schweizweit bekannten Institut, welches mit ihren Kunden bereits heute Dienstleistungen auf digitale Art und Weise austauscht.

Unter dem Stichwort „Open Banking“ tritt sie dafür ein, sowohl in der kulturellen Mentalität der Firma wie auch in der technologischen Umsetzung für neue Möglichkeiten offen zu sein.

Lernen, Ausprobieren, Versuchen sind Stichworte, mit denen Marianne einlädt, ihre Mitarbeitenden für Wandel zu motivieren und dadurch auf den Weg des Kulturwandels mitzunehmen. So wie sich Kundenbedürfnisse ändern, muss sich auch das Verhalten der Mitarbeitenden ändern. So wie sich die technologischen Möglichkeiten entwickeln, haben sich auch die Angebote und Produkte der Bank zu entwickeln.

Marianne vertritt dabei die Haltung, dass es aktiven Druck auf traditionelle Geschäftsmodelle braucht, um Wandel herbeiführen zu können. Und Wandel ist nur möglich, wenn er in den Köpfen der Mitarbeitenden angekommen ist und von ihnen gelebt wird. Gleichzeitig ist sie überzeugt, dass Lösungen künftig im Netzwerk mit Partnern erarbeitet werden müssen, dass jede Bank Kernkompetenzen entwickeln muss, die sie den Kunden anbietet und solche, welche sie auf dem Markt einkauft. Die klare Positionierung und das glaubwürdige Markenversprechen sind in der Zukunft, wo sich persönliche Dienstleistungen mit digitalen Angeboten verbinden, noch wichtiger.

 

Dr. Lidia Bolla ist CEO der vision& AG, einem in der Schweiz ansässigen, SRO-regulierten Vermögensverwalter, der qualifizierten Anlegern den Zugang zu Blockchain-Investitionen ermöglicht, basierend auf professionellem Research und im Rahmen traditioneller Bank- und Anlageprozesse.

Ihr Impulsreferat brachte den Teilnehmenden die technische Welt der Blockchain näher. Sie erklärte, dass es nicht nur eine, sondern viele verschiedene Blockchain-Technologien gibt, dass Blockchain nicht gleich Kryptowährung ist – und umgekehrt, und dass der eigentliche Mehrwert von Blockchain-Technologien im Vertrauen liegt, welches eine Blockchain zwischen Geschäftspartnern bzw. Institutionen etabliert.

In der Folge zeigte sie auf, wie sich das Portfolio von Business Modellen, die auf Blockchain-Technologien basieren, in den vergangenen Jahren laufend vergrössert hat. Immer noch nehmen Kryptowährungen den grössten Stellenwert ein. Andere Geschäftsmodelle für Themen wie zum Beispiel Medikamententransport, digitale Identitäten oder Gebrauchtwagen, nehmen jedoch laufend zu.

 

Den dritten Impuls zum Thema gab Dr. Arthur Vayloyan, CEO von Bitcoin Suisse mit seinem Referat unter dem Titel „Privat Banking – Tendenz kryptisch“.

Arthur gab zuerst einen geschichtlichen Rückblick auf die Entstehung von Kryptowährungen, welche seit 10 Jahren auf dem Markt sind. Im Jahre 2008 veröffentliche Satoshi Nakamoto das Manifest zum Bitcoin-Zahlungssystem, wobei bis heute nicht bekannt ist, welche Person oder welche Gruppe hinter dem Pseudonym Satosho Nakamoto stehen.

Kryptowährungen haben sich über diese 10 Jahre exponentiell entwickelt und werden schnell weiter an Bedeutung gewinnen und in verschiedenen Industrien disruptive Effekte mit sich bringen. Dies hängt damit zusammen, dass immer mehr Leute mit immer besserer Ausbildung und guten Ideen, die immer weniger Kapital für die Realisierung benötigen, neue Technologien einsetzen.

Arthur erklärte, wie Bitcoin Suisse heute aufgestellt ist und wie die Kern-Dienstleistungen Trading, Storage und ICO für die Kunden erbracht werden.

 

Das letzte Impulsreferat hielt Matthias Plattner, Head Technology and Plattform Innovation für das FIM-Geschäft bei der UBS.

Matthias gab den Anwesenden zum Einstieg ein “Blueprint for the Future” ab, eine Übersicht des UBS-Y Think Thanks über die Globalen Mega Trends. Dies mit dem Zweck ein konkreter Ansatz für individuelle Gedanken bezüglich der Auswirkungen dieser Trends auf das eigene Geschäftsmodell zu erhalten. Unter dem Slogan “die alte Zukunft ist vorbei und die neue Zukunft hat noch nicht angefangen” erklärte Matthias was der Vergangenheit angehört, welche “Beschleuniger” (wie zum Beispiel die fortschreitende Vernetzung oder die zunehmende Commoditisierung von Produkten) auf das Geschäftsmodell wirken und die “unveränderten Werte” auf welche aufgebaut werden kann.

Matthias ist überzeugt, dass die immer stärkere Digitalisierung von Geschäftsprozessen jedoch nicht dazu führen wird, dass der Mensch seine Rolle als wesentliches Element bei der Serviceerbringung für Kunden verlieren wird. Er erklärte dies anhand der Formel “Empathy(E) + Shared Values(SV) + Safety&Reliability(SR) = Trust over time (T/t). Aus dieser geht hervor, dass Empathie als wesentliches Element zur Generierung von Vertrauen nur durch den Menschen gegeben werden kann.


Im Anschluss an die Impulsreferate moderierte Reto Lipp ein Panelgespräch zwischen den Referenten, in dem auf einzelne Aspekte der Vorträge sowie auf Fragen der Teilnehmenden eingegangen wurde.

Fazit

Als Fazit für die anwesenden Vermögensverwalter kann zusammenfassend gesagt werden, dass sich diese nicht scheuen dürfen, sich mit neuen Themen zu befassen, zu lernen und auszuprobieren und in Zusammenarbeit mit Fachspezialisten neues Wissen aufzubauen. Beruhigend war für viele Teilnehmende, dass der Mensch seine wichtige Rolle der Kundenberatung nicht verlieren wird.


Max Cotting
CEO