Die Trump-Administration verfolgt mit ihrer Handelspolitik drei Ziele: Gewinn der Zwischenwahlen, Beseitigung unfairer Handelsbedingungen und Verhinderung des Aufstiegs Chinas zur Weltmacht. Das erste Ziel könnte erreicht werden, die letzten beiden Ziele liegen ausser Reichweite.

Zölle sind ungeeignet, um den Diebstahl geistigen Eigentums zu verhindern und China klein zu halten. Rund 325 Millionen US-Amerikanern stehen rund 1.38 Milliarden Chinesen gegenüber. Chinesen müssten dauerhaft 76% unproduktiver als US-Amerikaner sein, was die Arbeitskraft und die militärische Schlagkraft betrifft. Der derzeitige Aufstieg Chinas ist geschichtlich betrachtet nur eine Rückkehr zum Normalzustand: China dominierte die Welt-(wirtschafts-)geschichte allein aufgrund der grossen Bevölkerung in Relation zur Weltbevölkerung seit Jahrhunderten.

 

In den USA finden am 8. November 2018 die Zwischenwahlen statt

Am 8. November stehen in den USA die Halbzeitwahlen an, die wie der Name schon sagt, in der Mitte der vierjährigen Amtszeit des Präsidenten stattfinden. Das gesamte Repräsentantenhaus, ein Drittel der Senatoren und die Parlamente der meisten Bundesstaaten werden neu bestimmt. Der Regelfall in der Vergangenheit war, dass sich die Mehrheitsverhältnisse umdrehten und die Partei, die den Präsidenten stellt, deutliche Stimmenverluste erleiden muss.

 

Stimmenfang durch Protektionismus und „America First“

Präsident Trump und die Republikaner versuchen nun, durch eine protektionistische „America First“-Politik gezielt die Stimmen weisser Globalisierungsverlierer in den „Fly Over States“ zu gewinnen.

 

Handelskonflikte werden sich bis zum 8. November weiter zuspitzen

Die protektionistische Wählerfangstrategie kommt bei vielen US-Wählern sehr gut an. Deshalb wird die Trump-Administration mit Sicherheit bis zum 8. November weiter versuchen, mit möglichst wenigen Schlägen (weiteren protektionistischen Massnahmen), möglichst viele Wahlstimmen zu gewinnen. Dieses Vorhaben könnte gelingen.

 

Diebstahl geistigen Eigentums

China hat in der Vergangenheit geistiges Eigentum wenig geachtet. Es war gängige Praxis, ausländische Unternehmungen zu zwingen, ein Joint Venture mit einem chinesischen Partner einzugehen, wenn diese in China Fuss fassen wollten. Der chinesische Partner benutzte das Joint Venture, um technologisches Wissen abzusaugen und steckte nur das notwendigste in das Joint Venture. Parallel wurde ein Tochterunternehmen aufgebaut, welches sich zu 100% im Eigentum der chinesischen Firma befand. Der Vorwurf, die Chinesen hätten in der Vergangenheit geistiges Eigentum gestohlen, ist daher nicht von der Hand zu weisen.

 

Handelskrieg ist ungeeignete Massnahme zur Erreichung des Ziels „fairer Wettbewerb mit gleich langen

Spiessen“

Die Verhängung von Strafzöllen ist ungeeignet, um das Ziel eines ausgeglichenen fairen Marktzugangs von US-Unternehmungen und ausländischen Unternehmungen, die in den USA produzieren, zu erreichen. Insbesondere in Asien ist „aggressives Herumpoltern“ aufgrund eines drohenden Gesichtsverlustes verhandlungstaktisch wenig erfolgsversprechend. Der Versuch, diese berechtigten Ziele über die Welthandelsorganisation in Genf zu erreichen, wäre wohl wesentlich langsamer, aber langfristig erfolgsversprechender gewesen. Es ist sinnvoll, direkt das eigentliche Problem anzugreifen. Die Hauptprobleme der Handelspolitik sind die nichttarifären Handelshemmnisse und der Diebstahl geistigen Eigentums durch China. Diese können nicht gelöst werden, indem Importzölle auf Aluminium und Stahl eingeführt werden. Würde China tatsächlich Stahl zu Dumpingpreisen verkaufen, das heisst, unterhalb der Produktionskosten, wäre es wie ein Geschenk an die amerikanischen Konsumenten anzusehen. Ein Gedankenexperiment: Stellen Sie sich vor, der „Rest der Welt“ verkauft Produkte zu günstig an die USA. Ist das wirklich so fies? Stellen Sie sich vor, der „Rest der Welt“ verschenkt Produkte an die USA, zum Beispiel Autos. Gemein gegenüber den amerikanischen Autoproduzenten! Aber alles andere als gemein gegenüber den beschenkten amerikanischen Konsumenten. Das eigentliche Problem bestünde hier darin, dass der „Rest der Welt“ geschädigt wird (weil der „Rest der Welt“ rein gar nichts für die Geschenke bekommt). Geschädigt werden sicherlich nicht die USA.

 

Handelskrieg völlig ungeeignet um amerikanische Vormachtstellung zu halten und China klein zu halten

Das Ziel „Schutz geistigen Eigentums“ ist ein abgeleitetes Ziel. Die geopolitische Zielstellung der USA, Weltmacht Nummer 1 zu bleiben und den Aufstieg Chinas zu verhindern, kann auf Dauer genauso wenig gelingen, wie das Ziel die Naturgesetze auszuhebeln. Der Grund liegt in der hohen Bevölkerungszahl. Rund 325 Millionen US-Amerikanern stehen rund 1.38 Milliarden Chinesen gegenüber. Chinesen müssten dauerhaft 76% unproduktiver als US-Amerikaner sein, was die Arbeitskraft und die militärische Schlagkraft betrifft. Diese Annahmen sind langfristig völlig realitätsfern.

Da die Chinesen sehr ausdauernd und fleissig sind und Bildung einen sehr hohen Stellenwert hat, kann der technologische Vorsprung der Amerikaner auf Dauer nicht erhalten werden. Auch was die chinesischen Universitäten betrifft, hat China mächtig aufgeholt. So weisen beispielsweise die Peking University und die Tsinghua-Universität ein Ranking auf, welches besser ist, als die Universitäten von Amsterdam, Birmingham oder die Uni Bern. Immer mehr chinesische Universitäten erhalten sehr gute Noten, auch von nicht-chinesischen Rankingagenturen.Trump sichert technologischen Vorsprung durch Erhebung von Einfuhrzöllen auf Aluminium, Stahl und chinesisches Kinderspielzeug. Sie werden zugeben, dass Sie beim Lesen dieses erfundenen Satzes selbst schmunzeln müssen. Die USA können den Chinesen nicht die Ausbildung, das fleissig sein und das Studieren im Ausland verbieten. 2015 studierten mehr als 500‘000 chinesische Studenten im Ausland. Der Wissenstransfer und damit die Annäherung der chinesischen Arbeitsproduktivität an die amerikanische sind unaufhaltbar und -nebenbei erwähnt- auch aus einer Weltwirtschaftsperspektive wünschenswert.

 

Chinesische Wirtschaft dominierte die Weltgeschichte allein aufgrund der grossen Bevölkerung seit Jahrhunderten

Die einzigen, die dies verhindern könnten, sind die Chinesen selbst. Der natürliche Platz Chinas, was die Wirtschaftskraft betrifft, war seit Jahrhunderten in der Regel die Nummer 1, allein wegen der Grösse des Landes und der hohen Bevölkerungszahl. Nehmen wir beispielsweise eine Momentaufnahme aus dem Jahr 1500, der europäischen Blütezeit. Die Weltkarte zeigt die Länder massstabsgetreu entsprechend des geschätzten Bruttoinlandproduktes und nicht, wie üblich entsprechend der Landmasse (wie bei der flächentreuen Peters-Projektion).

 

Bruttoinlandsproduktgewichtete Weltkarte um 1500

https://www.google.com/search?q=world+map+gdp+1500&client=firefox-b-ab&tbm=isch&tbo=u&source=univ&sa=X&ved=0ahUKEwi0qZmLuJTcAhWDiywKHYqcA38Q7AkIMg&biw=1617&bih=811#imgrc=Q8K0OGMwmbcMfM

Zeitgenössischer Aufstieg Chinas ist nur Rückkehr zum Normalzustand

Der Aufstieg Chinas ist somit nur eine Rückkehr zum über Jahrhunderte betrachteten Normalzustand. Um China richtig klein zu kriegen und zu halten, bedurfte es fanatisierter chinesischer Kommunisten. Nur die Rote Garde während der Kulturrevolution konnte China fast in die Bedeutungslosigkeit zerstören. Der Versuch jedes Anderen von aussen, dies zu erreichen, ist langfristig zum Scheitern verurteilt.

Wenn Sie mehr über die Entwicklung des Bruttoinlandproduktes über die Jahrhunderte wissen wollen, klicken Sie hier!

Alle hier getroffenen Aussagen gelten übrigens auch in abgemilderter Form für Indien.


Thomas Härter
Chief Investment Officer Aquila