Update November 2020

Keine blaue Welle, aber die Demokraten haben gute Chancen, den nächsten US-Präsidenten zu stellen!

 

Demokratischer Sieg bei der Präsidentschaftswahl deutet sich an. Der Kongress dürfte dagegen in den Händen der Republikaner bleiben. Aktienmärkte feierten das sich andeutende Wahlergebnis mit sehr kräftigen Kursgewinnen.  

 

Meinungsforscher lagen wieder falsch

Erneut lagen die Umfrageinstitute ziemlich daneben. Eine blaue Welle, die Übernahme des Kongresses durch die Demokraten zeichnet sich nicht ab.

 

Wahrscheinlichstes Szenario: Joe Biden wird Präsident, der Kongress bleibt mehrheitlich republikanisch

Präsident Trump stellt die Wahlergebnisse einiger Bundesstaaten in Frage, welche von den Demokraten beansprucht werden. Der juristische Kampf hat somit begonnen.

Trotz der kommenden juristischen Auseinandersetzungen scheint es aus heutiger Sicht am wahrscheinlichsten zu sein, dass Joe Biden neuer US-Präsident werden wird und der Kongress in den Händen der Republikaner bleibt. Die folgenden Analysen gehen von der Gültigkeit dieser Annahmen aus und versuchen die Konsequenzen aufzuzeigen, falls sich dieses Szenario tatsächlich realisieren sollte. (siehe Anhang)

 

Amerikaner entscheiden sich für eine ausgewogene Machtverteilung

Mit Joe Biden als Präsident, einem demokratisch kontrollierten Unterhaus und einem republikanisch kontrollierten Senat haben die Amerikaner sich für eine ausgewogene Machtverteilung entschieden.

Dies bedeutet, dass mit wenig grundlegenden Änderungen gerechnet werden muss.

 

Republikaner werden demokratische Politikwende behindern

Die Republikaner werden in der Lage sein, die Agenda von Präsident Biden und den Demokraten weitgehend zu blockieren.

Dies bedeutet, dass es keinen «New Great Green Deal» geben wird und nur stark abgespeckte Investitionen in eine grüne Infrastruktur wahrscheinlich sind. Dies erklärt, dass Ölunternehmungen an der Börse trotz eines sich abzeichnenden Sieges von Joe Biden zulegen konnten. Deutliche Steuererhöhungen für Unternehmungen und Superreiche dürften ebenfalls vom Tisch sein. Reregulierungen -und das ist sehr gut für die Wirtschaft- sind ebenfalls unwahrscheinlich geworden. Die zukünftige Rettungspakete dürften ebenfalls kleiner als von den Demokraten angedacht, ausfallen.

 

Kongress wird Rettungspakete zusammenkürzen

Es ist wahrscheinlich, dass ein republikanischer Senat die Budgetüberwachungsfunktion sogar besser als unter Präsident Trump ausführen können wird.

 

Aussenpolitische Entspannung deutet sich an

Insbesondere gegenüber Europa dürfte sich die aussenpolitische Situation wesentlich entspannen. Man wird wieder einen besseren Draht zueinander finden. Schwieriger dürfte sich die Situation gegenüber China gestalten. Der Konflikt über die Hegemonie dürfte sich im Kern nur unwesentlich entspannen. Allein die Sprache dürfte diplomatischer werden.

 

Starke Erholungsrally am US-Aktienmarkt

Der S&P 500 konnte die beste Erholungsrally nach allen US-Präsidentschaftswahlen vorlegen. Unserer Ansicht nach rechnen die Finanzmärkte mit einem demokratischen Präsidenten und einem republikanischen Kongress und «ein bisschen mit dem Besten aus beiden Welten», ein Szenario, welches wir für plausibel halten.

 

Die Finanzmärkte dürften sich nach der Fokussierung auf die US-Wahl bald wieder auf das Tagesgeschehen fokussieren

Bis jetzt scheint sich der Ausgang der US-Wahl als sehr gut für die Finanzmärkte, insbesondere für NASDAQ-Technologieaktien zu erweisen. Mit einem republikanischen Kongress wird die «reale Wirtschaftspolitik» gegenüber den marktbeherrschenden FANG-Aktien relativ wohlwollend bleiben. Deshalb konzentrierte sich die Erholungsrally auf die Börsenschwergewichte. Small- und Midcaps konnten hingegen kaum zulegen.

Mit «geschrumpften Erwartungen» hinsichtlich der Grösse zukünftiger Rettungspakete sanken auch die US-Zinsen über das gesamte Laufzeitensprektrum. Der US-Dollar war aufgrund «geringerer Unklarheit hinsichtlich des Wahlausgangs» weniger stark gesucht und musste Federn lassen.

Die Wahl wird für die Börse bald schon Geschichte sein. Damit rücken die Wirtschaftsentwicklung, die Pandemie und die nächsten Rettungspakete wieder in den Fokus.

 

2. Infektionswelle ist im vollen Gange

Auf der gesamten Nordhalbkugel ist die herbstlich-winterliche 2. Covid-19 Pandemiewelle in vollem Gange. Es zeigt sich immer mehr, dass Massnahmen, die eigentlich nur temporär sein sollten, wieder eingeführt werden müssen, um eine Überlastung der Intensivstationen und einen starken Anstieg der Todesfälle zu verhindern.

 

Auch Schwellenländer leiden unter Covid-19

Immer mehr «wachstumsverwöhnte» Schwellenländer verzeichnen Wirtschaftseinbrüche aufgrund der Coronavirus-Pandemie.

So erleidet beispielsweise Indonesien, die grösste Wirtschaft Südostasiens, gegenwärtig die erste Rezession seit der Asienkrise 1998.

Dennoch, gesamthaft betrachtet schlägt sich Asien zusammen mit Australien und Neuseeland am besten.

 

Baldige Neuigkeiten von der Impfstofffront erwartet

Innerhalb der nächsten Wochen werden einige Impfstoffentwickler von Testergebnissen der letzten notwendigen Testreihen (late stage trials) berichten. Das Szenario, dass innerhalb des nächsten Jahres ein oder mehrere, zumindest teilwirksame Impfstoffe zur Verfügung stehen, gewinnt an Glaubwürdigkeit. Diese Impfstoffe dürften jedoch, ähnlich wie eine Grippeimpfung keinen hundertprozentigen, dauerhaften Schutz gegen alle Covid-19 Mutationen bieten.

 

Weltweit zusätzliche Rettungspakete notwendig

Deshalb dürften weltweit in praktisch allen Ländern zusätzliche staatliche Rettungspakete notwendig sein, um insbesondere viele stark gefährdete kleinere und mittelgrosse Unternehmungen vor einer Insolvenz zu retten. Wir rechnen damit, dass die Mehrheit dieser Rettungspakete tatsächlich realisiert und mehr oder weniger direkt durch die nationalen Zentralbanken finanziert werden, um die Finanzierungskosten der immer mehr ausser Kontrolle geratenen Staatshaushalte tief zu halten. Die finanzielle Repression und eine weltweite Tiefzinslandschaft bekommen mehr dauerhaften Charakter. Dies könnte bedeuten, dass herkömmliche, auf historischen Vergleichen basierende Aktienbewertungsmodelle für das neue Regime der «durch Apparatchicks gemanagten Märkte» zu konservativ sind und tendenziell zu tiefe faire Bewertungen zu Grunde legen.

Ein Beispiel: das Shiller-Modell legt normalisierte Gewinne und damit durchschnittliche Fremdkapitalisierungskosten zu Grunde. Gelänge es, diese in Zukunft tief zu halten (Zinsanstiege zu verhindern), wäre die faire Bewertung höher, als das Shillermodell anzeigt.

 

Anhang: Wer hat den leichteren Weg ins Weisse Haus?

Der Herausforderer Joe Biden muss den Vorsprung, den er in Arizona, Nevada und Wisconsin hält, halten, das würde reichen, um 270 Wahlstimmen auf sich zu vereinen. Am geringsten ist sein Vorsprung in Nevada. Dort werden jedoch nur noch Briefwahlzettel ausgewertet, welche tendenziell seinen (geringen) Vorsprung eher vergrössern dürften. Herr Trump muss seinen Vorsprung in Pennsylvania und Georgia halten. Zusätzlich muss er mindestens einen der vorhergenannten Staaten für sich gewinnen, was nicht unmöglich ist, aber aufgrund der Briefwahlzettel, die eher gegen ihn sprechen, derzeit eher unwahrscheinlich erscheint.

 


Kontakt: Thomas Härter, CIO, Investment Office
Telefon: +41 58 680 60 44


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