Oktober 2020

Dank enormer Stimuli gute Konjunkturindikatoren und hervorragende Aktienmärkte.

Die neusten Umfragen deuten auf einen Sieg der Demokraten hin. Das Risiko, dass es keinen klaren Wahlsieger gibt, ist hoch. Ein Sieg der Demokraten würde Infrastrukturanbieter und klimaneutrale Unternehmungen begünstigen.

 

US-Wahlen: wer gewinnt?

Wir sehen aktuell vier Szenarien:

I.  demokratischer Sieg bei den Präsidentschaftswahlen, dem Senat und dem Unterhaus

II. demokratischer Sieg, der Senat bleibt aber in republikanischer Hand

III. Präsident Trump wird wiedergewählt

IV. Kein klarer Wahlsieger, es muss nachgezählt werden / die Gerichte müssen entscheiden

 

Was sagen die Umfrageergebnisse?

Die amerikanische Öffentlichkeit beurteilt Präsident Trump hinsichtlich einer Reihe von spezifischen Themen negativ, insbesondere was folgende Punkte betrifft: angemessen faire Einkommensverteilung, nationale Sicherheit, ziviler Ungehorsam / politische Unruhen, Covid-19 Pandemie, Innenpolitik und etwas überraschend Ökonomie und Finanzmärkte. In diesen Punkten billigen Umfragen zufolge die meisten Wähler dem Herausforderer Joe Biden deutlich mehr Kompetenz zu.

Donald Trump wird mehr Sachverstand und Verhandlungsgeschick in den Bereichen Handel und Steuerpolitik zugebilligt (Quelle: MKT MediaStats). Bei praktisch allen Umfrageergebnissen liegt Joe Biden derzeit noch vor Präsident Trump. Gegeben die Kompetenzbeurteilungen hinsichtlich konkreter, dringender Probleme, die gelöst werden müssen, überrascht dies wenig.

Zudem hat Präsident Trump grosse Bereiche der Medienlandschaft gegen sich aufgebracht, selbst in den sogenannten «Swing States». Die schlechte Verfassung der US-Wirtschaft könnte Trumps Wiederwahlchancen ebenfalls schmälern. Oftmals wird die Regierung für einen Anstieg der Arbeitslosenquote und Rezessionen verantwortlich gemacht und abgestraft, unabhängig davon, ob ein kausaler Zusammenhang existiert oder nicht.

 

Vorläufiges Fazit

Nach heutigem Informationsstand sind die Wiederwahlchancen der Administration Trump gering. Gemäss Umfragen und Wettbüros sollten die Demokraten die Präsidentschaftswahl gewinnen. Aber Achtung, auch vor vier Jahren deutete alles auf einen klaren Sieg der Demokraten hin. Wir billigen dem Szenario IV «kein klarer Wahlsieger» eine hohe Eintrittswahrscheinlichkeit zu. Das Wahlergebnis dürfte einer hohen Prognoseunsicherheit unterliegen, da die Wahl erst am 3. November stattfinden wird. Es wird entscheidend sein, ob bis dahin ein Ende der pandemiebedingten Rezession in den USA absehbar ist.

 

Was sind die wesentlichen realpolitischen Unterschiede aus Investorensicht?

Die Demokraten wollen die Unternehmenssteuern von 21% auf 28% anheben und wollen mehr umverteilen:

Die Kapitalgewinnsteuern für Personen, die mehr als USD 1 Mio. Kapitaleinnahmen erwirtschaften, sollen erhöht werden. Die Gehaltssteuern sollen für Gutverdienende (Jahreseinkommen über 400’000 US-Dollar) erhöht werden. Zudem sollen ausländische Unternehmensgewinne stärker besteuert werden.

Die Demokraten möchten zudem stärkere Anreize für eine klimafreundlichere Umweltpolitik setzen. Den überbordenden Gesundheitskosten soll mit Hilfe stärkerer Kostenkontrollen entgegengewirkt werden.

Der Mindestlohn auf Bundesebene soll angehoben werden, die Verhandlungsposition der Arbeiter und Angestellten erhöht werden. Antitrustgesetze sollen aggressiver angewendet werden.

 

Demokraten wollen höhere Staatsausgaben

Die Ausgaben für Infrastruktur, insbesondere grüne Infrastruktur sollen erhöht werden. Auch das Budget für Erziehung und Bildung soll ausgeweitet werden. Nur im Bereich Verteidigung soll gespart werden.

 

Was wären die Einflüsse auf die Märkte im Falle eines Sieges der Demokraten?

Zunächst eine Analyse für den Gesamtmarkt. Der Konsens geht davon aus, dass die Wiederwahl Trumps besser für die Aktienmärkte wäre, da Biden die Unternehmenssteuern erhöhen möchte und die Deregulierungen rückgängig gemacht würden. Schliesslich waren die hohen Dividendenzahlungen und Aktienrückkäufe eine direkte Folge der Trump’schen Unternehmenssteuersenkungen. US-Unternehmungen erhöhten ihre Aktienrückkaufsprogramme nach den Steuersenkungen 2018 um fast 50%. Joe Biden hat sich mehrmals negativ über Aktienrückkäufe geäussert. Er möchte diese für Firmen, welche vom sogenannten «Coronavirus Relief Bill» profitierten, verbieten.

Obiges Argument ist nicht falsch. Wir glauben aber, dass die Demokraten wesentlich höhere zukünftige Rettungspakete verabschieden würden. Dies wiederum würde die FED zwingen, noch mehr Staatsschulden zu monetarisieren. Die Logik hier ist ganz einfach: Höhere Staatsausgaben werden die FED zu einer aggressiveren Bilanzausweitung zwingen, um die grösseren Haushaltsdefizite finanzieren zu können. Der Plan der Demokraten, die deutlich höheren Staatsausgaben mit den höheren Unternehmenssteuereinnahmen zu finanzieren, wird fehlschlagen.  Mit anderen Worten, die sogenannte Modern Monetary Theory (MMT) käme unter einer Präsidentschaft der Demokraten noch hemmungsloser zur Anwendung als unter den Republikanern.

Es ist wahrscheinlich, dass die aggressiveren, kombinierten fiskal- und geldpolitischen Stimuli der Demokraten mittelfristig die für Aktien negativen Steuererhöhungen und Reregulierungen übertrumpfen werden. Deshalb dürfe der Gesamtmarkt im Falle eines demokratischen Sieges unserer Ansicht nach sogar stärker steigen als im Falle einer Wiederwahl Trumps.

 

Die relativen Verlierer im Falle eines Sieges der Demokraten

Aufgrund der geplanten Budgetkürzungen des Verteidigungshaushaltes, dürften Unternehmungen der Rüstungsindustrie zu den Hauptverlierern zählen.

Big Tech, die FAANG-Aktien könnten aufgrund zunehmender Regulierung im Namen des «Konsumentenschutzes und der Antimonopolpolitik» partiell in Mitleidenschaft gezogen werden. Auch die Öl-, Gas- und Kohleindustrien dürften zu den Verlierern zählen.

Joe Biden ist zwar ein moderater Demokrat, möchte dennoch aggressiver durch Regulation die hohen Gesundheitskosten eindämmen. Deshalb könnte der Gesundheitssektor, Pharma, Biotech sowie Hersteller von medizinischen Geräten unter Druck kommen.

Die Demokraten wollen den Mindestlohn von 7.25 USD auf 15 USD anheben. Die meisten Arbeiter in der Nähe des Mindestlohnes finden sich in den Bereichen Tourismus, Freizeit, Gastronomie, Hotellerie und Detailhandel. Im Falle eines Sieges der Demokraten dürften Unternehmungen in diesen Sektoren, insbesondere diejenigen mit bereits tiefen Gewinnmargen, unter Druck geraten.

 

Die relativen Gewinner im Falle eines Sieges der Demokraten

Unternehmen, die sich dem Klimaschutz widmen oder indirekt von erhöhten Klimaschutzanstrengungen profitieren, dürften zu den Hauptgewinnern gehören.

Ein Hauptunterschied zwischen den beiden Kandidaten besteht in der Klimapolitik. Joe Biden strebt eine karbonneutrale grüne Politik an. Präsident Trump hingegen will die Kohle- und Ölindustrie fördern. Deshalb dürften nachhaltige Aktienindizes von einem Sieg der Demokraten profitieren. Die Demokraten wollen erheblich mehr in die öffentliche Infrastruktur investieren. Infrastrukturaktien und Indizes, welche diesen Bereich abdecken könnten, profitieren. Kleine und mittelgrosse Unternehmungen gehörten zu den Hauptverlierern der Pandemie, die Megacaps, insbesondere im Technologiebereich, zu den Hauptgewinnern. Die Demokraten wollen auch hier umverteilen und tendenziell die kleineren und mittelgrossen Unternehmungen mehr unterstützen. Durch eine Erhöhung des Mindestlohnes würden jedoch anderweitige Unterstützungen konterkariert. Schärfere Regulierungen schädigen zudem alle Unternehmungen. Aufgrund der höheren Grundkosten würden kleinere Unternehmungen überproportional geschädigt. Deshalb dürfte der Grösseneffekt kaum spürbar sein und könnte trotz anderweitiger Intentionen per Saldo sogar negativ sein. Man muss somit nicht Small- und Midcaps kaufen, nur weil man an einen Sieg von Joe Biden glaubt.

 


Kontakt: Thomas Härter, CIO, Investment Office
Telefon: +41 58 680 60 44


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