Juli 2020

Gold attraktiver als Papierwährungen!

Die Geldschwemme treibt Aktienmärkte und Gold. Goldaktien dürften bei fortgesetzt expansiver Geldpolitik besonders profitieren. Solange der Virus sich weiter ausbreitet, werden die FED und andere Zentralbanken den «Krieg gegen ihre eigenen Papierwährungen» mit unverminderter Härte fortführen.

 

Hohes Wachstum der Geldmengenaggregate im Euroland

Die jüngsten Veröffentlichungen zeigen, dass die Geldmenge M1 (Geldbestand einer Volkswirtschaft im Eigentum der Nichtbanken) gegenüber dem Vorjahr um 12.5% anstieg. Die umfassender definiertere Geldmenge M3, welche u.a. auch kürzerlaufende Bankeinlagen und sonstige kurzfristige Geldmarktpapiere beeinhaltet, wuchs um fast 9%. Das hohe Gelmengenwachstum bei gestiegener Sparquote der Privaten führte zu einem Anstieg der Überschussliquidität und befeuerte die Aktienmärkte. Die Kehrseite besteht darin, dass insbesondere das hohe Wachstum der eng definierten Geldmenge ein Anzeichen von erheblichem Stress in der Realwirtschaft ist. Die Kreditvergabe an «Nichtbanken», die Sichteinlagen, die «Nichtbanken» hielten «explodierte» und zeigt die Paniknachfrage der Realwirtschaft nach Liquidität an, die gesucht wurde, um die Lock-downs und zukünftige Massnahmen überleben zu können. Viele Unternehmungen sind hinsichtlich der zukünftigen Möglichkeiten, Kredite und Liquidität zu erhalten skeptisch und möchten «jetzt zuschlagen, solange es noch geht».

 

Schuldenproblematik verschärft sich

Die BIZ, die «Privatbank der Zentralbanken» hat ihre Daten für 2019 veröffentlicht, darunter die globalen Verschuldungskennzahlen. Das Verhältnis Bruttoschulden zu Weltbruttoinlandprodukt stieg von 216.4% (2018) auf 220.9% (2019). Damit wurde der Rekordhöchststand von 2016 mit 218% überschritten. Während sich die Verschuldungssituation der Privathaushalte aggregiert mininal verbesserte (-0.6%), haben sich praktisch alle Schuldenkennzahlen des Firmensektors und der öffentlichen Haushalte deutlich verschlechtert. Im Aggregat stieg das Schulden-BIP-Verhältnis um 11.1% (Firmensektor) und 11.9% (öffentlicher Haushalt). Innerhalb des Firmensektors haben die Banken ihren Hebel zurück gefahren, während die «Nichtbanken» ihre Kredite massiv ausgeweitet haben.

Es ist beunruhigend, dass die Verschlechterung der Verschuldungssituation bereits vor der Covid-19 Krise erfolgte, also während einer Expansionsphase.

Die Gesamtverschuldungssituation verbesserte sich in den letzten 10 Jahren nur in Deutschland, Spanien und Indien. Am stärksten stieg das Verhältnis Bruttoschulden zu Bruttoinlandprodukt (ohne den Finanzsektor) in China, Frankreich und der Schweiz, wobei die Schweiz gesamthaft von einem tiefen Niveau aus startete. Problematisch könnten allenfalls das hohe Schuldenverhältnis der schweizerischen Privathaushalte mit 132% sein. Zum Vergleich: In den USA beträgt das Verhältnis «nur» rund 75.4%, in Spanien 56.9%.

Mit den Ausnahmen Türkei, Schweden und Deutschland haben die Regierungen die Jahre nach der «Grossen Finanzkrise» leider nicht genützt, um ihre öffentlichen Schulden abzubauen. Die Verschuldungssituation, mit der die Welt in die «Covid-19 Krise» startete, stellt leider eine schlechte Ausgangssituation dar. Die gigantischen staatlichen Rettungspakete und die Umsatzeinbrüche der Firmensktoren werden zu einem deutlichen Anstieg der Verschuldungskennzahlen in 2020 führen! Deshalb haben praktisch alle Zentralbanken dieser Welt, ihren eigenen Papierwährungen «den Krieg erklärt».

 

COVID-19-Probleme in den Südstaaten der USA

Leider breitet sich der Virus aufgrund ungenügender Lock-Downs hinsichtlich Konsequenz und Dauer schnell in den Südstaaten der USA aus.

In Arizona,Texas, Kansas, Louisina, North Corolina mussten Öffnungspläne verschoben werden. Auch in Kalifornien mussten weitere Restriktionen implementiert werden, u.a. beschloss Walt Disney, die Wiedereröffnung der Themenparks auf unbestimmte Zeit zu verschieben.

Bisher forderte die Pandemie eine halbe Million Tote. Die kummulierten Covid-19 Erkrankten belaufen sich auf über 10 Millionen. Das Virus breitet sich derzeit insbeondere in Süd- und Mittelamerika schnell aus.

Ein grosser Teil des gemessenen Anstiegs könnte darauf zurückgeführt werden, dass mehr getestet wird.

Positiv ist, dass die Todesraten in praktisch allen Ländern deutlich gesunken sind. Ein Beispiel: Gemäss einer Studie der Universität Oxford sank die Sterblichkeit im Juni in englischen Krankenhäusern von 6% (Höchststand) auf 1.5%.

 

Deutschland steht wieder einmal kurz vor einer dreifachen Kapitulation

Das Projekt Coronaanleihen mit gemeinsamer Haftung zu emmitieren gewinnt an Schwung. Deutschland möchte im 3. Quartal 146 Milliarden Euro Schulden aufnehmen, um die Wirtschaft zu stabilisieren.

Die Kapitulation hinsichtlich der Ziele Austerität, Schuldenvergemeinschaftung und Fiskalstimuli könnte bevorstehen. Das Bundeverfassungsgereicht (BVG) in Karlsruhe dürfte auf verlorenem Posten stehen und kaum Unterstützung von der Realpolitik erhalten. Die CDU, die Grünen und die FDP haben einen Antrag entworfen, der die Aufkaufsprogramme der EZB explizit politisch absegnen soll. Vermutlich dürfte das deutsche Parlament zustimmen. Dies dürfte dann den Konflikt des BVG mit der EZB zulasten des BVG entscheiden. Für Eurolandaktien wäre dies kurzfristig positiv, in der langen Frist negativ.

Mittelfristig wird die AFD von der «bedingungslosen Kapitulation» vor der Verschuldungsvergemeinschaftung profitieren. Langfristig kann ein System, welches die Schulden vergemeinschaftet, ohne dass diejenigen, die die Kreditwürdigkeit zur Verfügung stellen, ein Mitspracherecht bei den nationalen Haushalten haben, nicht funktionieren, da es leider zu einer politischen Radikalisierung (Weimaisierung) der Wähler in den kreditwürdigen Ländern kommen wird.

Ein System bei dem die «Kreditwürdigkeitsgeber» Mitentscheidungsrechte beim Haushalt der «Kreditunwürdigen» hätten, könnte funktionieren, wird aber nicht von den Wählern und Politikern in diesen Ländern unterstützt.

 

Erhöhte geopoltische Risiken…

Die Spannungen des Dreiecks Hongkong, USA, China sind nochmals stark angestiegen. Chinas Einfluss auf die Gesetzgebung in Hong-Kong wird immer stärker. So hat der Ständige Ausschuss des Volkskongresses das umstrittene «Gesetz zum Schutz der nationalen Sicherheit» in Hongkong endgültig verabschiedet. Kritiker sehen damit die Autonomie in Gefahr und eine Verletzung der Verträge, welche vor der Rückgabe der ehemals britischen Kronkolonie an China ratifiziert wurden. Die chinesische Regierung sieht dies naturgemäss anders und argumentiert, dass die Verfassung ihr das Recht gäbe, in Fragen der nationalen Sicherheit auch für Hongkong entsprechende Gesetze zu erlassen. Das neue Gesetz würde gerade dem Schutz des Prinzips “Ein Land, zwei Systeme” dienen, weil künftig damit separatistische oder Bestrebungen geahndet werden könnten und somit die zivile Ordnung vor Gewalt geschützt werden könne. Die USA planen als Antwort, den Sonderstatus von Hongkong einzuschränken oder gar völlig abzuschaffen.

 

… auch zwischen China und Indien

Die tödlichen Grenzscharmützel zwischen China und Indien veranlassten Indien, die Anwendung von Dutzende von chinesischen Software-Applikationen zu verbieten und weitere Massnahmen vorzubereiten.

 

Und jetzt – was ist die Konklusion?

  1. Aufgrund der enormen Geldschwemme und immer unverhohlener Marktmanipulationen der Zentralbanken, die einen positiven Vermögenseffekt erzielen wollen, erachten wir nur ein kleines Aktienuntergewicht für opportun.
  2. Innerhalb der Währungsallokation sollte Gold einen prominenten Platz einnehmen. Gold profitiert von der «Geldmengenexplosion» und den hohen geopolitischen Risiken. Wir betrachten Gold als «Währungssubstitut», nicht als Investition. Gold ist eine bessere Währung als Fiat-Währungen, da Gold nicht gedruckt werden kann.
  3. Goldaktien dürften von weiteren Geldexperimenten stärker profitieren, als die breiten Aktienmärkte.

 

 


Kontakt: Thomas Härter, CIO, Investment Office
Telefon: +41 58 680 60 44


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