Aquila Flash Teil 2 – Kryptowährungen

Kryptowährungen Teil 2

 

Kryptowährungen sind weltweit auf dem Vormarsch. Daran sind die Notenbanken mir ihrer Politik der negativen Realzinsen und explodierenden Geldmengen selbst schuld, vermutlich sind sie sogar die Hauptverursacher. Viele Staaten prüfen die Einführung von eigenen Kryptowährungen. 

 

Sind staatliche Kryptowährungen die Zukunft?

Die Mehrzahl der Staaten arbeitet mittlerweile an eigenen Kryptowährungen. Könnten Kryptowährungen in Zukunft traditionelles Geld ersetzen?

 

Kryptowährungen wurden als Antithese zu staatlichen Zentralbankwährungen geschaffen

Bitcoin und andere Kryptowährungen entstanden spontan ohne staatliche Planung und sollten eine Antithese zum durch Zentralbanken geschaffenen Geld darstellen. Ein Hauptargument für viele Kryptowährungen stellten selbstauferlegte Mengenrestriktionen dar die sicherstellen sollen, dass die Kryptowährungen im Gegensatz zu dem Zentralbankgeld nicht beliebig vermehrt werden können. Hier sind zwei Anmerkungen angebracht. Erstens haben «die alten Österreicher» wohlweislich Inflation als Wachstumsrate der Geldmenge und nicht als Wachstumsrate der Preise definiert, da man sich sozusagen direkt auf das «Übel» konzentrieren wollte. Zweitens ist die Kryptowährungsgeldmenge selbst dann nicht konstant, wenn die Anzahl der geschaffenen Währungseinheiten bei allen Kryptowährungen konstant bleiben würde. Der Grund hierfür liegt darin, dass die Anzahl der Kryptowährungen explodiert ist und weiter ansteigt. Vom Dezember 2019 bis zum August 2021 stieg die Anzahl verfügbarer Kryptowährungen von 2’388 auf 5’809 an (Quelle: de.statista.com). Zum Vergleich: Es gibt 193 Staaten, die Mitglied in der UNO sind und 160 offizielle Währungen.

 

Angebot an Kryptowährungen explodiert

Somit ist die Annahme, dass das Angebot an Kryptowährungen beschränkt ist falsch, im Gegenteil. Das Gesamtvolumen aller Kryptowährungen verzeichnet derzeit ein hohes Wachstum, während gleichzeitig die Anzahl neu geschaffener Coins bei einigen etablierten Kryptos, allen voran Bitcoin abnimmt und in Zukunft noch mehr abnehmen wird. Somit findet derzeit nicht nur bei den staatlichen Fiat-Währungen eine Geldmengenexplosion statt, sondern auch bei den Kryptowährungen, wenn man diese als Aggregat betrachtet.

 

Angst vor Kontrollverlust und Zentralisierung der Macht

Je mehr private Kryptowährungen traditionelle, staatliche Währungen ersetzen, desto stärker werden Politiker Angst vor einem Verlust der Kontrolle haben. Dieser Kontrollverlust beinhaltet mehrere Dimensionen:

  1. Antizyklische Konjunkturpolitik wird erschwert, weil Zinsänderungen weniger stark wirken, wenn mehr Kryptos als Wertspeicher und Kreditwährung verwendet werden (bzw. umgekehrt: weniger staatliche Zahlungsmittel als Wertspeicher und Zahlungsmittel).
  2. Schwierigere Manipulation der Asset Preise. Sollten die Anleger lieber Kryptowährungen akzeptieren, um Anlagen zu verkaufen oder lieber mit Kryptowährungen bezahlen wollen, wird es für die Zentralbanken schwieriger, die Preise von Anleihen, Immobilien und Aktien zu beeinflussen.
  3. Schwierigere Finanzierung der staatlichen Ausgabenprogramme: Im Extremfall kann es für den Staat schwierig werden, sich durch Ausgabe von Staatsanleihen zu finanzieren, wenn diese niemand mehr halten möchte, wenn die Anleger nicht mehr davon ausgehen können, dass diese Anleihen einen vertrauenswürdigen Wertspeicher darstellen.
  4. Im Extremfall könnten sich Unternehmungen, besonders im Ausland weigern, staatliche Fiat-Währungen als Zahlungsmittel für ihre Güter und Dienstleistungen zu akzeptieren oder diese nur mit gigantischen Aufschlägen verkaufen. Damit könnte es dem Staat schwerfallen, selbst Güter und Dienstleistungen oder Devisen zu kaufen, vor allem im Ausland. Dann müsste der Staat entweder die Steuern erhöhen (unbeliebt bei den Wählern) oder selbst Bartergeschäfte (Tausch Ware gegen Ware) tätigen. Zu den Staatsausgaben gehört auch die militärische Aufrüstung. Kein Staat wird akzeptieren, dass Militär- oder Polizeiausgaben nicht getätigt werden können, weil es private Kryptowährungen gibt, die verhindern, dass das staatliche, gesetzliche Währungsmittel akzeptiert wird (trotz juristischem Kontraktionszwang setzt sich in der Regel die Ökonomie als «reale Realwirtschaft» durch).

Die obigen Ausführungen legen nahe, dass der Staat gegen privatwirtschaftliche Kryptowährungen vorgehen würde, falls diese zu erfolgreich werden würden.

Aufgrund des Erfolges der privaten Kryptowährungen wollen die meisten Staaten / Zentralbanken ebenfalls staatliche Kryptowährungen einführen. Dies stellt die erste Verteidigungslinie der Notenbanken dar. In einem Krieg werden erfolgreiche Waffen des Gegners kopiert. In einem Währungskrieg werden erfolgreiche «Kryptowaffen» des Gegners kopiert. Anmerkung: Aufgrund der jahrzehntelangen Repressionspolitik der Notenbanken, die dazu führte, dass Sichtguthaben einen negativen Realzins erlitten, sind die Notenbanken die Hauptverantwortlichen für den Aufstieg der Kryptowährungen. Hätten die Notenbanken keinen Krieg gegen Bargeld geführt und eine marktgerechte Verzinsung der eigenen Währungen ermöglicht, wären Kryptos aus Anlagegesichtspunkten nicht so interessant gewesen.

Eine staatliche Kryptowährung würde dem Staat eine weitgehende Kontrolle aller Transaktionen ermöglichen, falls gleichzeitig das Bargeld abgeschafft werden würde. Auch aus diesem Grunde habe einige Vertreter des Staates ein Interesse an der Einführung einer staatlichen Monopol-Kryptowährung bei gleichzeitiger Abschaffung des Bargeldes. Gäbe es nur noch eine staatliche Monopol Kryptowährung, könnte der Staat beispielsweise

  1. Beliebig negative Zinsen einführen
  2. Umverteilungen per Knopfdruck durchführen
  3. Transaktionen willkürlich für eine Gruppe verbieten, für eine andere Gruppe erlauben usw.

 

Auswirkungen auf die Finanzwirtschaft / Banken

Würde eine staatliche Krypto-Währung eingeführt, käme vermutlich der Bankensektor unter Druck. Es ist denkbar, dass staatliche Planungsbehörden (zu denen die Notenbanken gehören) immer mehr Rollen der Finanzintermediäre übernehmen würden.

Vermutlich kämen Anbieter von Zahlungssystemen besonders stark unter Druck. Falls alle Zahlungen über eine gesetzliche Kryptowährung abgewickelt werden müssten, bräuchte es alternative Zahlungssysteme vermutlich nur noch für Auslandstransaktionen.

Am wenigsten unter Druck innerhalb des Finanzsektors kämen vermutlich die Versicherungen und die Rückversicherungen sowie die Asset Manager und Vermögensverwalter.

Beim klassischen Firmen- und Hypothekarkreditgeschäft ist es unklar, wie stark die zukünftige Rolle des Staates nach der Einführung einer staatlichen Monopol Kryptowährung wäre. Vermutlich würde der Staat im Zeitablauf immer mehr Aufgaben der Banken übernehmen. Diese Entwicklung findet bereits seit der grossen Finanzkrise 2007 statt und hat sich seit Beginn der Covid-Pandemie 2020 beschleunigt.

 

Auswirkungen auf das Produktivitätswachstum

Zentrale Planungsbehörden können niemals so effizient wie eine Marktwirtschaft wirtschaften, da nur die begrenzte Hirnkapazität der wenigen Zentralplaner für das Treffen optimaler Entscheide ausgenützt wird, während eine Marktwirtschaft das dezentral vorhandene Wissen aller ausnützen kann. Im Ausmass, in dem Aufgaben den privaten Finanzintermediären weggenommen und staatlichen Zentralbankplanern übertragen werden, wird das Produktivitätswachstum sinken. Es ist davon auszugehen, dass, sogar noch mehr als derzeit beim Papiergeld, auch bei einer staatlichen Kryptowährung zu wenig Zins bezahlt wird und die Umverteilung zu Gunsten der Schuldner (der Staat ist der grösste Schuldner) und zu Lasten der Sparer noch hemmungsloser durchgeführt werden wird.

 

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Kontakt: Thomas Härter, CIO, Investment Office
Telefon: +41 58 680 60 44


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