März 2020

FED senkt Leitzins überraschend um 50 Basispunkte. Weltwirtschaftswachstum kurzfristig von Coronoavirus betroffen.

Der Markt für Katastrophenanleihen widerspricht der Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation und hält den Ausbruch des Coronavirus für eine Pandemie. Der Ausbruch hat das Potential, die Weltwirtschaft kurzfristig in eine Rezession zu stürzen. Die FED senkte die Zinsen überraschend um 50 Basispunkte.

 

Katastrophenanleihen prognostizieren Pandemie

Die Weltbank (International Bank for Reconstruction and Development) emittierte im Juli 2017 zwei sogenannte Katastrophenanleihen, welche genau für solche Ereignisse platziert wurden, da sie finanzielle Mittel zur Bekämpfung der Verbreitung von schweren Infektionskrankheiten bereitstellen sollen. Um Zahlungen aus diesen Anleihen auszulösen, ist die Erfüllung verschiedener Bedingungen notwendig, u.a. die Anzahl Fälle und die Anzahl Toter. Der Auszahlungsmechanismus ist komplex, da auch Faktoren wie Dauer der Seuche, Ausbreitungsgeschwindigkeit und geografische Verbreitung der Infektionen und Toten eine Rolle spielen. Die riskanteren Tranchen werden mit Abschlägen von über 50% gehandelt. Somit kann man schlussfolgern, dass die Katastrophenanleihen derzeit klar signalisieren, dass eine Pandemie vorliegt.

 

Weitere massive Reiseeinschränkungen, Absage von Massenveranstaltungen wahrscheinlich

Die weitere Verbreitung des Virus kann nur durch massive Reiseeinschränkungen unter Kontrolle gebracht werden, solange kein Impfstoff zur Verfügung steht. Trotz bereits eingeführter massiver Reiseeinschränkungen hat sich der Virus weiter ausgebreitet.

 

Auswirkungen auf Transportbranche, Tourismusindustrie, Hotellerie…

…sind deutlich zu erkennen. Im schlimmsten Fall droht eine Pleitewelle, eine «Bail-out Welle» oder mindestens eine Kapitalerhöhungs- / Verwässerungssturmflut. In Macau sind beispielsweise die Casino-Umsätze im Februar um 90% eingebrochen. Bloomberg-Meldungen zufolge wurden auch rund 50% der Hotelbuchungen in der Region Como storniert. Unternehmen wie Facebook, Nestle oder Google verbieten weitgehend Geschäftsreisen. Die Global Business Travel Association schätzt die Verluste auf monatlich 47 Milliarden US-Dollar.

 

Die Nachfrage nach Öl sinkt deutlich

Aufgrund der Reiseeinschränkungen kollabiert die Nachfrage nach Treibstoffen aller Art. Ölproduzenten, deren Förderkosten unter dem derzeitigen Ölpreis liegen, sind ebenfalls mit erhöhten Kreditrisiken konfrontiert.

Ein Anstieg der Zahlungsrisiken von Tourismus- und Ölfirmen könnte die Folge sein, womit einmal mehr der Bankensektor in den Fokus rücken könnte, da Kreditabschreiber drohen. Kapitalerhöhungen, erneute Verwässerungen sind nicht auszuschliessen.

 

FED senkt Leitzins überraschend um 50 Basispunkte

Die FED senkte am 03.03. überraschend die Leitzinsen um 50 Basispunkte. Der Entscheid erfolgte einstimmig. Das nächste reguläre Meeting findet am 17.-18. März statt. Die Märkte rechnen mit einer weiteren Zinssenkung von 25 Basispunkten. Wir schliessen uns diesen Erwartungen an. Auch die EZB dürfte in den nächsten Wochen weitere Stimuli-Massnahmen beschliessen. Diese prüft die Vergabe direkter «Notkredite». Hier könnte sich die Handschrift von Frau Lagarde zeigen, die vorher den Währungsfonds leitete.

 

Geldpolitik wirkt wenig gegen Angebotsschock und die weitere Ausbreitung des Coronavirus

Die weitere Ausbreitung des Virus lässt sich nicht mit Geldpolitik bekämpfen. Sie kann nur helfen Kreditrisiken zu bekämpfen. Weltweit dürfte ein Wettrennen in Richtung Nullzinspolitik an Geschwindigkeit gewinnen

 

Wie schlimm sind die realwirtschaftlichen Auswirkungen?

Orientiert man sich an Verschmutzungs- und Verkehrsaufkommensdaten, drängt sich die Schlussfolgerung auf, dass das Bruttoinlandprodukt von China derzeit um rund 30 bis 50% eingebrochen ist. Den unbekannten wahren Einbruch werden die offiziellen chinesischen Statistiken niemals aufzeigen. Chinesische Aktien und Anleihen sollten untergewichtet werden. Sie sind am undurchsichtigsten gepreist, die Preisfindung am stärksten manipulativ beschönigt. Wäre China eine echte Marktwirtschaft und gäbe es ein, mit den westlichen Staaten vergleichbares Konkursrecht, würde sich jetzt eine Pleitewelle ausbreiten. Da China ein planwirtschaftlich-marktwirtschaftliches, schwer durchschaubares Mischsystem ist, wird die Kreditwürdigkeit «von oben diktiert werden», so dass es aller Voraussicht nach nicht zu einer Pleitewelle kommen wird. In China geht die Anzahl der Neuinfektionen gemäss offiziellen Statistiken stark zurück. Es ist möglich, dass diese Angaben der Tendenz nach stimmen, da China in den letzten Wochen extreme Isolierungsmassnahmen durchsetzte.

 

Chinesische Einkaufsmanagerindizes stürzen ab

Der Caixin Composite Einkaufsmanagerindex stürzte im Februar von 51.9 auf ein Rekordtief von 27.5 ab. Der Einkaufsmanagerindex für die Dienstleistungen stürzte auf 26.5 ab. Der japanische Einkaufsmanagerindex für die Dienstleistungen fiel von 51 auf 46.8 zurück.

 

Einkaufsmanagerindizes in Europa können vorerst die Erwartungen erfüllen

Die Einkaufsmanagerindizes in Europa fielen, wie erwartet aus. Der Gesamtindex erreichte den Wert 51.6 (erwartet: 51.6). Die Lähmung wirtschaftlicher Aktivitäten aufgrund der Ausbreitung des Virus in Europa in den letzten Wochen spiegelt sich jedoch noch nicht adäquat in diesen Daten wider. Eine deutliche Verschlechterung für die Veröffentlichungen der März-Daten ist aus heutiger Sicht so gut wie sicher.

 

Coronavirus könnte eine Rezession auslösen

Die Rezessionswahrscheinlichkeit ist angestiegen. Es handelt sich um einen massiven Schock, der die gesamte Weltwirtschaft bedroht. Dies zeigt auch die Reaktion der Anleihenmärkte. Zum ersten Mal seit 150 Jahren fiel die Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen unter 1%. Auch der starke Rückgang des Ölpreises signalisiert eine (kurzfristig) erhöhte Rezessionsgefahr. Sollte es gelingen, den Virus bald einzudämmen, dürfte es jedoch zu einem kräftigen Aufschwung kommen.

 

Eindämmung in der westlichen Welt schwierig

Da westliche Staaten im Gegensatz zu dem autoritären China über weniger radikale Mittel, wie «extreme Ausgangssperren und Einschränkungen der Freizügigkeit» verfügen, sind die Chancen der Eindämmung in der westlichen Welt leider tiefer als in China. Es ist vorerst wahrscheinlich, dass sich der Virus weiter ausbreiten wird.

 

Extrem schwierige Gratwanderung der Behörden

Die weitere Ausbreitung des Virus erfordert starke Einschränkungen der Freizügigkeit und extreme Isolierungsmassnahmen. Diese würden jedoch die Wirtschaft «abwürgen». Trifft man diese Massnahmen nicht, wird sich das Virus mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit leider weiter ausbreiten. Derzeit werden diese extremen Massnahmen in der westlichen Welt nur in Einzelfällen getroffen.

 

Finanzmärkte «feiern» Joe Biden

Am sogenannten «Superdienstag» konnte Joe Biden 9 von 14 Staaten für sich entscheiden. Da Herr Biden als gemässigt gilt (und die «vergleichsweise radikale» Frau Warren nahezu chancenlos erscheint), feierten die Finanzmärkte.

Positive wie auch negative Nachrichten dürften sich in den nächsten Tagen weiter abwechseln. Der Coronavirus stellt einen erheblichen Nachfrage- und Angebotsschock dar, der schwierig mit Geld- und Fiskalpolitik zu bekämpfen ist. Es ist nicht möglich, die weitere Entwicklung dieser Pandemie zu prognostizieren. Morgen könnte die Meldung kommen: «Impfstoff entwickelt». Übermorgen könnte die Meldung kommen: «Coronavirusmutationen mit wesentlich höherer Todeswahrscheinlichkeit entdeckt».

 

Wir bleiben bei unserer Einschätzung, Aktien taktisch unterzugewichten und Gold überzugewichten. Wir finden, dass Wandelanleihen ein attraktives Chancen-Risiko-Verhältnis bieten.

 

 


Kontakt: Thomas Härter, CIO, Investment Office
Telefon: +41 58 680 60 44


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