Welche Strategien funktionieren im Silber- und Goldmarkt?

 

Im vierten Teil des Beitrags zeigen wir, mit welcher Strategie eine bessere Rendite erzielt werden konnte als mit einem klassischen «buy and hold»- (kaufen und halten) Ansatz. Während der dritte Beitrag sich mit Moving-Average basierten Strategien befasste, untersucht der vierte Teil Strategien, die auf Momentum und Bewertung basieren. Dabei zeigt sich, dass im betrachteten Zeitraum die Stationarität des Gold-Silver-Ratio (GSR) nicht belegt werden kann und deshalb die Grundlagen für bewertungsbasierte Anlagestrategien fehlen. Mit anderen Worten: Das GSR ist im betrachteten Zeitraum für Anlageentscheide wenig geeignet. Im Gegensatz dazu scheinen sehr einfache, auf Momentum basierende Strategien gut zu funktionieren. Wann sollte man also in Gold oder Silber investiert sein? Wir wagen folgende Antwort: Wenn das 12-Monats-Momentum positiv ist.

 

Statistische Eigenschaften des GSR-Verhältnisses sind entscheidend

 

Wir beginnen damit, die Eigenschaften des GSR etwas genauer zu untersuchen. Nur wenn das GSR gewisse statistische Eigenschaften besitzt, ist es sinnvoll, dieses für Anlageentscheide zu verwenden. Dabei wollen wir dem Leser technische Details ersparen. Interessierte, ökonometrisch versierte Experten finden die Informationen im Anhang.

 

Das GSR wird in einen deterministischen und zufälligen Teil zerlegt

Jede Zeitreihe lässt sich theoretisch in einen deterministischen und einen zufälligen Teil zerlegen. Damit Zeitreihen prognostiziert werden können, ist es wichtig, dass der zufällige Teil keine Aufsummierung völlig unprognostizierbarer Schocks ist. Wäre letzteres der Fall, gibt es bei Sprüngen der Zeitreihe nach oben oder unten keine Anpassungstendenz zu einem Gleichgewicht, die zufälligen Schocks sind permanent und summieren sich auf. Dann kann man auch langfristig nicht prognostizieren, wo die Zeitreihe hingehen wird. Ist eine Zeitreihe stationär, hat sie eine Tendenz zu ihrem Gleichgewicht zurückzukommen. Liegt dann eine Abweichung vor, kann man diese Abweichung dafür benutzen, um Prognosen zu erstellen.

 

Ein gleichgewichtiges GSR kann nicht gefunden werden

Wir haben das GSR getestet, ob es stationär ist. Die Experten finden die Testergebnisse im Anhang. Das Ergebnis ist ernüchternd: Im betrachteten Zeitraum lässt sich leider nicht nachweisen, dass das GSR stationär ist. Somit kann kein gleichgewichtiges, faires GSR berechnet werden. Damit sind auch systematisch profitable Anlagestrategien, die auf dem GSR beruhen «theoretisch nicht möglich». Selbstverständlich könnte man zufällig profitable Strategien finden, wenn man die Daten genug «quälen» würde. Im realen Leben würden die in der Vergangenheit gefundenen Muster jedoch aller Voraussicht nach zusammenbrechen, es bestünde die Gefahr, systematisch Geld zu verlieren.

Vorläufiges Fazit: die Höhe des GSR scheint für Anlageentscheide nicht geeignet zu sein

 

Momentum Strategien funktionieren oftmals erstaunlich gut

Die Finanzliteratur ist voll von Studien, die zeigen, dass sogenannte Momentum Strategien bei Aktien, Währungen, aber auch Rohstoffen «funktionieren», das heisst, dass sie im Durchschnitt mittelfristig eine risikoadjustierte Outperformance erzielen können.

 

Gewinner der letzten 12 Monate gewinnen oftmals auch im nächsten Monat

Bei vielen Studien werden beispielsweise alle Aktien nach der vergangenen 12-Monatsrendite sortiert. Anschliessend wird berechnet, welche Rendite und welches Risiko (Standardabweichung der Renditen) man erzielt hätte, wenn ein Investor immer in die 20% besten (20% zweitbesten usw.) Aktien investiert hätte. Die simple Strategie, in die Aktien mit der besten Performance zu investieren, funktioniert oftmals erstaunlich gut. Könnte dies auch bei Gold und Silber funktionieren?

 

Anlagestrategie 1: Kauf von Silber oder Gold, je nachdem welches Metall am besten performte

Bei der ersten Strategie wird in Gold (Silber) investiert, wenn die Rendite in den letzten 12 Monaten besser als diejenige von Silber (Gold) war. Man ist also immer entweder in Silber oder in Gold investiert, je nachdem, was besser performte.

Wie Grafik 1 zeigt, hätte diese Strategie funktioniert. Sie wäre jedoch nicht wesentlich besser gewesen, als wenn man über den Gesamtzeitraum einfach immer in Silber investiert gewesen wäre. Rechnet man die Transaktionskosten hinzu, ist die Anlagestrategie 1 uninteressant, weshalb wir nicht weiter darauf eingehen.

 

Grafik 1: Silber, Goldpreis und Momemtum-Strategien

 

 

Anlagestrategie 2: Kaufen, falls 12-Monatsrendite positiv war, ansonsten kaufe nichts

Bei Anlagestrategie 2 werden 50% der Mittel in Gold investiert, wenn der Goldpreis in den letzten 12 Monaten angestiegen ist. Ebenfalls werden 50% der Mittel in Silber investiert, wenn der Silberpreis in den letzten 12 Monaten angestiegen ist. Sind weder Gold noch Silber angestiegen, nehmen wir vereinfacht an, dass das Geld zinslos gehalten wurde.

 

Grafik 2 vergleicht die Wertentwicklung von Gold und Anlagestrategie 2 im logarithmischen Massstab indexiert auf 100 im Mai 1955

Wie Grafik 2 zeigt, wäre diese Strategie recht erfolgreich gewesen und hätte sowohl die «Buy & Hold»-Strategie auf Silber als auch die «Buy & Hold»-Strategie auf Gold geschlagen.

Jetzt lohnt es sich erst, etwas genauer hinzuschauen.

Wir verwenden den Goldpreis als Referenz, weil wir die Messlatte möglichst hoch setzen wollen. Es zeigt sich (Vergleiche Tabelle 1), dass die Anlagestrategie 2 wünschenswerte Eigenschaften besitzt:

  1. Es wurde eine deutliche Outperformance erzielt.
  2. Die Einbrüche sind deutlich geringer als bei der «Buy & Hold»-Goldstrategie, insbesondere zu Beginn der 80er-Jahre.
  3. Die annualisierte Volatilität ist mit 17.9% deutlich geringer als diejenige von Gold.
  4. Die Renditen der Strategie 2 weisen deutlich weniger negative «Skewness» auf als die Rendite von Gold.

 

Tabelle 1: Anlagestrategie 2 und Gold im Vergleich

Fazit 1: Für «Absolute Return»-Investoren ist Strategie 2 somit mittelfristig klar besser als einfach nur Gold zu halten.

 

Tabelle 2: Anlagestrategie 2 aktive Renditen gegenüber Gold

Tabelle 2 zeigt einige Kennzahlen der aktiven Rendite, das heisst der Renditen der Strategie 2 relativ zur Entwicklung des Goldpreises. Es zeigt sich, dass die relativen Renditen mit 17% eine hohe Standardabweichung aufweisen, was nicht verwunderlich ist, da wir gelegentlich in das viel volatilere Silber investieren, einige Jahre gar nicht investiert sind und uns gegenüber Gold als «Benchmark» messen. Immerhin weisen die Renditen eine hohe positive Skewness auf. Dies bedeutet, dass die Strategie einige deutliche positive Ausreisser (aussergewöhnlich höhere Rendite als der Goldpreis) und weniger negative Ausreiser (aussergewöhnlich tiefere Rendite als der Goldpreis) aufweist. Ein Histogramm der monatlichen aktiven Renditen für den interessierten Leser finden Sie im Anhang 3.

Schauen Sie nochmals auf die Grafik 2. Sie werden sehen, dass die Strategie im Vergleich zu einer reinen Buy & Hold-Strategie in Gold, die grossen Einbrüche stark abgefedert hätte, insbesondere den dramatischen Einbruch zu Beginn der 80er-Jahre.

Fazit: Im Vergleich zur Buy & Hold-Strategie war es in der Vergangenheit mittelfristig sinnvoller, Gold und Silber nur dann zu kaufen, wenn diese bereits in den letzten 12 Monaten gestiegen sind. Es ist wahrscheinlich, dass diese Regel auch in der Zukunft mittelfristig funktionieren wird.

 

Thomas Härter
Chief Investment Officer Aquila

 

 

Teil 1

Teil 2

Teil 3

 

Weiterführende Informationen zum Thema

Anhang 1: ADF-Test: Hypothese, dass das GSR nicht stationär ist, kann nicht abgelehnt werden

 

Anhang 2: ADF-Test: Hypothese, dass das GSR nicht trendstationär ist (linearer Trend), kann mit 5% Signifikanzniveau abgelehnt werden

Hätte man den linearen Trend zuverlässig schätzen können, hätte man ein gleichgewichtiges GSR errechnen können. Wir halten dies jedoch für fast nicht möglich, weshalb dieses Ergebnis hier nicht weiter thematisiert wird.

 

Anhang 3: Verteilung der monatlichen aktiven Renditen der Strategie 2 gegenüber Gold

 

Abonnieren Sie unseren Newsletter, um keine neuen Beiträge zu verpassen.