Dieser Blogpost wirft Fragen auf, was getan werden könnte, um die gesundheitlichen, wirtschaftlichen und emotionalen Schäden aufgrund des COVID-19 Virus möglichst klein zu halten. Sie erfahren auch, was Pandemien mit Weltraumreisen zu tun haben könnten und warum das Erkunden fremder Planeten und das Aufstöbern «ausserirdischen Lebens» so schwierig sein könnte. Die Analyse ist als kontroverse Diskussionsgrundlage zu verstehen.

 

1. Sollte positiver berichtet werden?

In Teilen Asiens wird immer zuerst die Zahl der wieder Geheilten rapportiert und in den Vordergrund gestellt. In Europa und den USA steht dagegen die Zahl der insgesamt Angesteckten und die Zahl der Toten im Vordergrund. Entscheidend für den weiteren Verlauf der Krankheit ist die Zahl der derzeit noch Infizierten, definiert als insgesamt Angesteckte minus bereits Geheilter, da die bereits Geheilten nicht mehr ansteckend sind.

Sie können die Entwicklung selbst «live» mitverfolgen, indem Sie sich die Echtzeit-Corona-Weltkarte der John Hopkins Universität anschauen.

In der linken Spalte können Sie auf das Land klicken, welches Sie interessiert, zum Beispiel die Schweiz. Rechts oben in grün sehen Sie (auch) die bereits wieder geheilten Fälle. In der rechten unteren Ecke sehen Sie die Zahl der bestätigten COVID-19 Erkrankten. Klicken Sie bitte auf die Lasche «Logarithmic», dann sehen Sie diese Kennzahl im logarithmischen Massstab. Wenn die Kurve weniger steil wird (konkav ist), ist dies ein gutes Zeichen, da dies bedeutet, dass die Wachstumsrate der Neuinfizierten abnimmt. Dies ist in der Schweiz derzeit der Fall (Stand: 31.03.2020)! Klicken Sie auf die Lasche «Daily Increase», dann sehen Sie die Anzahl neuer Fälle pro Tag. Auch hier ist die Tendenz in der Schweiz positiv, da der Trend nach unten zeigt (Stand: 31.03.2020). Es gibt somit Hinweise, dass die getroffenen Massnahmen, das «Social Distancing» funktioniert.

 

2. Sollten gezielte Daten erfasst werden und dadurch gezieltere Quarantänemassnahmen angeordnet werden?

Am meisten gefährdet sind Ältere, vor allen Dingen, wenn sie zusätzliche Krankheiten haben.

Am anderen Ende des Spektrums befinden sich Jüngere ohne Krankheiten, welche bereits wieder genesen sind.

Während extreme Quarantänemassnahmen für die erste Gruppe sinnvoll sind, sind für die zweite Gruppe, wenn die Ansteckungszeit vorbei ist, Quarantänemassnahmen möglicherweise sinnlos, da sie niemanden mehr anstecken können und auch nicht mehr angesteckt werden können (nach heutigem Wissensstand).

Deshalb könnte man überlegen, ob eine Datenbank für jeden Bürger angelegt werden sollte, in der alle relevanten COVID-19 Informationen enthalten sind.

Dann wäre es vermutlich sinnvoll, möglichst schnell die gesamte Bevölkerung zu testen. Es ist möglich, dass bereits viel mehr Menschen als gedacht infiziert waren, bereits geheilt sind und für eine gewisse Zeit Antikörper gebildet haben, nicht mehr angesteckt werden können und niemanden mehr anstecken können. Wir wissen es nicht, eine Ausweitung der Tests würde mehr Klarheit bringen.

Der wachsende Pool der Genesenen, welche nachweisbare Antikörper haben, könnte dann schnell wieder arbeiten, damit die Wirtschaft gestützt wird. Warum sollte man bereits Geheilte mit Antikörpern unter Quarantänemassnahmen stellen? Je schneller Antikörpertests grossflächig durchgeführt werden könnten, desto grösser wäre der Pool der zuverlässig Genesenen. Die Antikörperbildung könnte so zuverlässig dokumentiert werden, wie beispielsweise ein Reisepass und könnte von allen Staaten anerkannt werden, so dass diese nicht nur arbeiten könnten, ihr normales gesellschaftliches Leben wieder aufnehmen könnten, sondern auch wieder ungehindert reisen dürften.

 

3. Sollten liberale Freiheitsrechte temporär zurückgefahren werden und COVID19-Überwachungsmethoden mit zeitlich fest fixierter Rückkehr zu liberalen Bürgerrechten temporär eingeführt werden?

Das Testen auf COVID-19 könnte für die Zeitdauer von 1 Jahr «unter Zwang gestellt werden» bzw. unter Strafe nicht abgelehnt werden können. Bei Verstössen gegenüber angeordneten Zwangsisolierungsmassnahmen könnte man hart durchgreifen, da dies kein Kavaliersdelikt ist, sondern in gewisser Hinsicht als Totschlag, Anschlag auf die Wirtschaft und Lebensgrundlage der Mitmenschen aufgefasst werden könnte. Besteht das Freiheitsrecht, andere anstecken zu dürfen und dazu beizutragen, dass die Wirtschaft kollabiert und Existenzen ruiniert werden?

Südkorea gelang es im Gegensatz zu Italien aufgrund umfassender Tests und zielgerichteter Quarantänemassnahmen, die Infektionsrate stark nach unten zu drücken und grosse Regionen von Südkorea nicht unter Quarantäne stellen zu müssen. Die Politik in Europa, ganze Länder unter Quarantäne zu stellen und gegenüber allen anderen Ländern abzuschotten, dürfte die Wirtschaft stark schädigen und somit die Lebensgrundlage aller. Bei allen Entscheidungen ist abzuwägen, dass die Selbstmordrate derjenigen, die ihre Existenzgrundlage verloren haben, stark ansteigen dürfte, falls sich die Situation weiter zuspitzen sollte. Ebenfalls abzuwägen sind die Persönlichkeits- und Freiheitsrechte und die limitierte Zeitdauer der Einschränkungen.

 

4. Sollten positive Perspektiven, vor allen Dingen das vermutliche «Ende der Quarantänemassnahmen» aufgezeigt werden, um den Menschen Hoffnung zu geben?

Sollten Politiker die zeitliche Begrenztheit der Abschottungsmassnahmen betonen? Wenn die Quarantänemassnahmen strikt durchgeführt würden, könnte bei einer geschätzten Krankheitsdauer von 3-6 Wochen und einer geschätzten Zeit von zusätzlichen 2-3 Wochen bis man nicht mehr ansteckend ist, falls man die Krankheit überwunden hat, die Massnahmen nach 9 Wochen wesentlich gelockert werden. Dies würde bedeuten, dass der Sommerurlaub (vielleicht verkürzt, damit die Wirtschaft weniger stark geschädigt wird) zumindest für die Kohorte der Geheilten dennoch stattfinden könnte (die Gruppe der Gefährdeten müsste vielleicht weiter unter Quarantäne bleiben).

Diese Massnahmen müssten zwischen Ländern, am besten auf internationaler Ebene abgesprochen werden.

Bräche der Sommerurlaub komplett weg, würde dies den Entzug der Lebensgrundlage von hunderten Millionen Menschen bedeuten, die in der Flug- und Transportindustrie, der Hotellerie, der Gastronomie und deren Zuliefererindustrien arbeiten. Müsste nicht alles getan werden, damit die Sommerferiensaison 2020 nicht komplett ausfällt? Müsste man nicht den Menschen mehr Hoffnung hierauf geben?

 

5. Sollten Nebenwirkungen von Medikamenten und Impfschäden vorrübergehend weniger stark gewichtet werden? Sollten Medikamentenzulassungsverfahren temporär abgekürzt werden?

Es gibt grundsätzlich zwei Fehler, die bei medikamentösen Behandlungen oder Impfungen auftreten können: Der Fehler 1. Art besteht darin, dass das Medikament verabreicht wird und die Nebenwirkungen den Heileffekt überkompensieren. Der Fehler 2. Art besteht darin, dass das Medikament nicht verabreicht wird und deshalb ein an sich vorhandener Heileffekt nicht stattfinden kann, welcher die Nebenwirkungen überkompensieren würde.

Bei Medikamentenzulassungen wird grundsätzlich der Fehler 1. Art betont. Bis zur Zulassung vergehen Jahre, in der Regel Jahrzehnte. Viele Zulassungsstufen und Studien müssen durchlaufen werden. Eine Übersicht finden Sie hier: Poster: “Der lange Weg zum neuen Medikament” als PDF-Download.

Insbesondere in den USA drohen ruinöse Sammelklagen, falls Nebenwirkungen und Impfschäden aufgetreten sein sollten.

In der jetzigen Situation könnte eine Neuabwägung der beiden Fehler sinnvoll sein. Für die traditionellen Zulassungsprozedere fehlt die Zeit, um statistisch saubere Studien durchzuführen.

Der Staat könnte «Schnellzulassungsverfahren» und «Schnelltestverfahren» zulassen, zumindest auf freiwilliger Basis. Das Risiko für ruinöse Klagen für die Medikamentenhersteller könnte vorrübergehend abgemildert werden.

 

6. Verteidigung der marktwirtschaftlichen Ordnung und Verteidigung des Rechtsstaates

Täglich werden die Eingriffe der Zentralbanken umfassender (erfassen mehr Assets und steigen im Volumen). Täglich werden die Rettungspakete der Staaten grösser und zahlreicher.

Hierbei sind zwei Dinge wichtig:

1. Die Marktwirtschaft hat nicht versagt. Versagt hat das Finanzsystem, welches auf immer mehr Leverage beruhte und die Marktteilnehmer dazu verleitete, darauf zu vertrauen, dass die Zentralbanken immer in der Lage wären «Alles» zu retten. Durch die asymmetrische Reaktion der Zentralbanken seit Jahrzehnten (in der Krise stimulieren, im Boom unzureichende Zinserhöhungen) haben sich diese in eine Lage manövriert, in der nur noch ein Aufkauf von privatwirtschaftlichen Assets (Anleihen, bald auch Aktien), einen Kollaps des Finanz- und Wirtschaftssystems verhindern könnte. Konkret heisst dies aber, dass der Staat im grossen Stil Eigentümer an den Produktionsmitteln wird. Weil die Geldschaffung durch einen staatlichen Monopolisten und eben nicht in einem marktwirtschaftlichen Prozess geschaffen wurde, sind wir in diese Lage gekommen. Der Fehler, die jetzt beginnende Rezession, vielleicht sogar Depression, darf nicht der Marktwirtschaft einer «Unschuldigen» angelastet werden. Es gilt vielmehr, ein anderes, stabileres Finanzsystem zu entwerfen.

Gelingt es den Zentralbanken (koste es, was es wolle) eine sehr lange Zeit eine Rezession zu verhindern, so folgt eine sehr schwere Rezession. Es ist ein bisschen so wie bei einer Party, welche sich über mehrere Tage hinzieht. Je länger man nicht schläft, desto grösser der Schlafentzug und desto grösser der «Zusammenbruch» danach.

Natürlich ist das Auftreten einer Pandemie nicht der Fehler der Zentralbanken. Aber es ist der Fehler der Zentralbanken, nicht für schlechte Zeiten vorgesorgt zu haben und immer mehr Anleger in immer riskantere Verwendungen zu treiben und immer mehr Unternehmungen in immer riskantere Finanzierungen und höheren Leverage zu treiben. Damit trugen sie bei, ein hochgradig instabiles System zu erschaffen, welches weniger in der Lage ist, mit Schocks wie beispielsweise einer Pandemie umzugehen.

Der Aufkauf von Aktien und Anleihen von privatwirtschaftlichen Produktionsmitteln darf nicht dazu führen, dass die Marktwirtschaft ausser Kraft gesetzt wird. Der Einfluss des Staates auf die Wirtschaft wird durch die Coronakrise stark zunehmen. Ähnlich wie zur Zeit des NRA (National Recovery Act) unter Roosevelt ab 1933, dürfte die US-Zentralregierung die Kontrolle über Wirtschaft und Bürger wesentlich verstärken, auch unter einer republikanischen Administration. Entscheiden Staatsbeamte über die Allokation und treffen diese immer mehr Geschäftsentscheide, werden die Arbeitsproduktivität und das Wirtschaftswachstum rapide sinken. Diese Gefahr mag in der Schweiz klein sein, in vielen Ländern ist sie jedoch gross.

«Just as there are not atheists on a sinking ship, there are no free-marketeers in a pandemic.

Jonathan Freedland, Kolumnist, the Guardian.

 

2. Durch riesige Rettungsschirme dürfte es gelingen, die drohende Insolvenzwelle stark abzumildern, insbesondere in Ländern, welche finanziell gut dastehen, wie bspw. die Schweiz oder Deutschland. Die während der Quarantänemassnahmen entgangene Wertschöpfung, die entgangenen Unternehmergewinne und Umsätze sind zu grossen Teilen unwiederbringlich verloren. Auch einige weniger solide Pensionskassen dürften derzeit «technisch insolvent» sein. Es stellt sich die Frage: wer trägt diese «Verluste»? Die Antwort lautet: wir alle, aber zu ungleichen Teilen. Es drohen mittelfristig Vermögensumverteilungen im grossen Stil.

Bei allen wohlgemeinten Rettungen sollte darauf geachtet werden, dass das Prinzip: «Du bist Eigentümer der Konsequenzen deines wirtschaftlichen Verhaltens» nicht zu stark verletzt wird oder zumindest «gleichmässig gerecht verletzt wird». Politiker lieben es, prestigeträchtige Grossfirmen zu retten. Dies verschafft Schlagzeilen. «Bundesrat rettet Friseursalon von Frau Huber in Appenzell-Innerrhoden. Ihr Arbeitsplatz ist gesichert». Können Sie sich eine solche Schlagzeile vorstellen? Es ist wichtig, dass hier «gerecht gerettet wird». Geschieht dies nicht, drohen die Wähler rechts- und linksradikal zu wählen. Diese Gefahr mag in der Schweiz klein sein, in Deutschland und in grossen Teilen Europas ist sie riesig!

 

7. Die Menschheit und die Wirtschaft werden diese Pandemie vermutlich in einigen Monaten überstehen

Der wachsende Pool an bereits Genesenen, die Verhaltensänderungen der Menschen (Social Distancing), die gezielte Isolation besonders Gefährdeter (chronisch Kranker, älterer Menschen), die Kapazitätserweiterungen im Gesundheitswesen (mehr Intensivstationen, mehr Herz-Lungenmaschinen) und -mit Zeitverzögerung- Impfstoffe und wirksame Medikamente, vielleicht auch die bald steigenden Temperaturen auf der Nordhalbkugel, werden mit hoher Wahrscheinlichkeit helfen, diese Pandemie innerhalb der nächsten Monate besser unter Kontrolle zu bekommen.

Dann kann sich auch die Wirtschaft erholen, vorausgesetzt eine Insolvenzwelle kann vermieden werden. Diesbezüglich gehen die eingeleiteten wirtschaftspolitischen Massnahmen in die richtige Richtung, wenn auch die Rettungsschirme in den meisten Ländern bisher viel zu klein sein dürften.

 

Hieraus resultiert eine ernste Warnung:

Praktisch täglich werden mehr Rettungsschirme verkündet und deren Ausmass erhöht. Diese Tendenz dürfte sich fortsetzen. Deshalb sind die sogenannten «Bond Vigilantes» aufgewacht. Es wird immer plausibler, dass die Zinskurve steiler wird. Der jahrzehntelange Zinsrückgang von Anleihen mittlerer und längerer Laufzeit dürfte zu Ende gehen. Am kurzen Ende müssen die Zentralbanken die Zinsen nahe der Nullgrenze halten. Somit wird es immer gefährlicher, lange Anleihen zu halten, also eine lange Duration zu fahren.

Die Gefahr einer steileren Zinskurve könnte die Zentralbanken dazu bewegen, wie die BOJ, die «Zinskurvenkontrolle» als «Rezessionswaffe» einzuführen.  Dies wären schlechte Nachrichten für den US-Dollar und gute Nachrichten für das Gold.

 

8. Göttliche Quarantänemassnahmen?

«I have wondered before now whether the vast astronomical distances (from other worlds) may not be God’s quarantine precautions. They prevent the spiritual infection of a fallen species from spreading.”

C.S. Lewis, “Religion and Rocketry” from The World’s Last Night

 

Ein Schlusswort

Die Coronakrise muss mit den getroffenen Rettungsmassnahmen nicht in einer grossen Depression enden, wenn die richtigen Massnahmen getroffen werden. Selbst eine scharfe, länger andauernde Rezession kann noch vermieden werden. Eine scharfe, mindestens 2-3 Monate andauernde, Rezession lässt sich hingegen nicht mehr aufhalten.

Der Virus brach in Norditalien, nicht in Süditalien aus. Er brach im Winter in Wuhan, nicht (im Sommer) in Südchina aus. Es gibt schwache Hinweise und Hoffnung, dass sich die Ausbreitung des Virus bei höheren Temperaturen verlangsamen wird. Die Experten sind sich jedoch uneinig.

Der Lockdown in Wuhan dauerte 7 Wochen. Müsste es nicht das Ziel sein, den Lockdown in der Schweiz, in Europa und weltweit auch in 7 Wochen zu beenden?

 

Bleiben Sie gesund! Wir wünschen ihnen frohe Ostern.


Thomas Härter
Chief Investment Officer Aquila