Dem Begriff Nachhaltigkeit wird auch in der Finanzwelt zunehmend Beachtung geschenkt. Im Fachjargon findet man dabei Ausdrücke wie ESG – Environmental, Social, Governance oder SRI – Social Responsible Investments.

 

Nachhaltiges Investieren als Investment-Ansatz

Nachhaltiges Anlegen kann als Investment-Ansatz betrachtet werden, welcher Aspekte der Umwelt, des Sozialen sowie der Gesellschaft integriert. Dabei gibt es diverse Herangehensweisen. Ein beliebter Ansatz ist beispielsweise das sogenannte Ausschlussverfahren bei welchem bestimmte Unternehmen oder Industrien (Waffenhersteller, Tabakindustrie, etc.) ausgeschlossen werden. In diesem Artikel soll jedoch nicht die Theorie zu diesen Ansätzen im Detail erläutert werden, sondern es sollen vielmehr einige interessante Fakten aufgezeigt werden.

 

Verdoppelung nachhaltiger Investments bis 2020 erwartet

Im Jahr 2016 wurden weltweit etwa USD 23 000 Mrd. Assets under Management (AuM) in SRI-Strategien investiert. Im Jahr 2020 wird fast eine Verdoppelung dieser Zahl erwartet. Interessant dabei ist, dass für einmal nicht die USA im Lead sind, sondern Europa mit gut 53% Anteil, gefolgt von den USA mit 38%. Während man in Europa aber das Wachstum eher gesättigt sieht, hat die USA noch viel Ausbaupotential.

 

Welches sind denn die Treiber des nachhaltigen Investierens?

Einerseits sind es zunehmend regulatorische Anforderungen an Unternehmen, wie zum Beispiel Carbon Footprinting in Frankreich, andererseits auch der Appell an die Unternehmen zur Offenlegung von detaillierten Zahlen, beispielsweise zur Energieeffizienz.

Auch Investoren erkennen den Vorteil von ESG-Ansätzen, sei es zur Identifikation von Risiken oder zur Messung der Qualität des Managements. Grosses Interesse stammt von den Millennials – über 80% dieser Generation interessieren sich für dieses Thema. Bei den Geschlechtern haben die Frauen die Nase vorn, dort sind es 52%, welche sich vorstellen können, sich in diesem Gebiet zu engagieren.

Ein weiterer interessanter Fakt ist, dass der Markt sehr fragmentiert ist. Bei den grossen Fondshäusern wie Blackrock und Vanguard machen ESG-Anlagen lediglich 2,5% der AuM aus. Bei Amundi liegt der Wert mit 11% etwas höher.

 

Auch Bloomberg setzt auf ESG

Auch der Finanznachrichtendienstleister Bloomberg setzt verstärkt auf ESG-Analyse und Integration. Im Analysebereich lassen sich gezielt Unternehmen filtern, welche gewisse vordefinierte ESG-Standards einhalten. Auch werden diese bewertet und kriegen einen „Rang“. (Übrigens kann man auch selbst Kriterien erstellen wie z. B. eine Frauenquote im Management von mind. 50%).

RobecoSAM führt auch eine Nachhaltigkeits-Rangliste, in welcher sie diverse Länder nach ESG-Ansätzen, welche sie individuell gewichten, aufführen. Unten sehen Sie die 10 besten und schlechtesten Länder.

Fazit

Es ist klar ersichtlich, dass nachhaltiges Investieren keine Modeerscheinung ist, sondern sich langfristig durchsetzen wird. Das globale Wachstum in diesem Bereich zeigt die zunehmende Nachfrage, sowohl bei privaten wie auch institutionellen Kunden. Haupttreiber sind nach wie vor die Pensionskassen, welche zunehmend ESG-Ansätze in ihren Portfolios integriert haben wollen. Auch der Klimawandel hat dazu beigetragen; sogenannte Green-Bonds haben in den letzten Jahren eine grosse Nachfrage erlebt.


Claudio Henseler