Aquila Flash

Aquila AG | 23. April 2018

Langer, kalter Handelskrieg, geopolitische Risiken und die Quartalsgewinnsaison treiben Märkte

Die Welt befindet sich in einem kalten Handelskrieg, der aller Voraussicht nach, abgesehen von gelegentlichen Scharmützeln kalt bleiben dürfte. Investitionen in Öl- und andere Rohstoffe bieten Schutz gegenüber Flächenbrand im Nahen Osten. Wir erwarten kleine, eher symbolische «Handelsscharmützel» und einen «langen, kalten Handelskrieg», der aber nicht in einen scharfen Konflikt ausarten dürfte.

Seit Mitte Februar befinden sich die Aktienmärkte in einer Konsolidierungsphase. Die Volatilität befindet sich auf einem höheren Level und die Amplitude hat deutlich zugenommen.

Die Gewinnsaison in den USA hat vielversprechend begonnen und dürfte trotz der sehr hohen Erwartungen zufriedenstellend verlaufen, da das Wirtschafts- und Umsatzwachstum bei immer noch akzeptablem Lohnwachstum hoch war. Es gibt allerdings einen Wehrmutstropfen: Ein wesentlicher Grund für die guten Gewinnausweise liegt in den Aktienrückkäufen. Diese Erhöhen das Fremdkapital und verringern das Eigenkapital. Zurzeit interessieren sich die Investoren wenig für diese Entwicklung oder begrüssen sie sogar. Sollte das wirtschaftliche Klima in 1-2 Jahren rauer werden, wird die Einschätzung bezüglich der Aktienrückkäufe kippen. Viele Finanzchefs und Corporate Treasurer werden dann in Bedauern versinken.

Da sich das wirtschaftliche Momentum praktisch überall verringert, tauchen Fragen auf, wie nachhaltig der Wirtschaftsaufschwung denn sei. Diesbezüglich bleiben wir gelassen. Eine Rezession ist in den nächsten drei Quartalen äusserst unwahrscheinlich, wenn kein «grosser (Handels-)Krieg» ausbricht.

Chinas Regierung hat sich konstruktiv zu einigen handelspolitischen Fragen geäussert. Verbal wurde ein besserer Schutz geistigen Eigentums zugesichert, mit welchem es Peking in der Vergangenheit gelinde gesagt, nicht besonders genau genommen hat. Aber Reden ist billig…

Im März hat die FED einen optimistischeren Ausblick auf die US-Wirtschaft präsentiert. Die US-Kerninflation liegt über 2 %. Wir bleiben bei unserer Einschätzung, dass die FED noch 3-mal an der Zinsschraube drehen wird. Die FED selbst liess die Märkte wissen, dass sie über zügigere Zinserhöhungen nachdenkt. Derzeit sehen Investoren die Zinserhöhungen noch als Ausdruck der gesunkenen Deflationsgefahr und der positiven Wirtschaftslage, da den Zinserhöhungen entsprechende Gewinnzuwächse gegenüberstehen. Anders ausgedrückt: Stellt man sich ein Abdiskontierungsmodell für die Bewertung der Aktienmärkte vor, so wird der negative Einfluss aufgrund der gestiegenen Abdis-kontierungssätze noch durch den positiven Einfluss erhöhter Gewinne (über-)kompensiert.

Der Ölpreis erreichte (im Gegensatz zum Weltakti-enmarkt) neue Mehrjahreshöchststände. Dies liegt nicht nur am starken Wirtschaftswachstum, der zu einer erhöhten Ölnachfrage führt, und den OPEC-Produktionsbeschränkungen, sondern auch an den sehr hohen geopolitischen Risiken. Die sich andeutende Entspannung auf der koreanischen Halbinsel wird durch die sehr hohe Kriegsgefahr im, für den Ölpreis relevanteren, Nahen Osten übertrumpft. Die Gefahr eines Flächenbrandes ist extrem hoch. Investitionen in Ölfutures sind der wirksamste Versicherungsschutz gegen dieses Schreckensszenario. Die Futureskurve befindet sich auch seit geraumer Zeit wieder in Backwardation. Dies bedeutet, dass die Investoren eine positive Rollrendite erzielen. Wie bei einem guten Wein, der mit dem Alter wertvoller wird, wird auch der Ölfuturekontrakt wertvoller, wenn nichts passiert.

Wer an Öl denkt, muss auch an Russland und russische Anlagen denken. Bei der jüngsten Sanktionsrunde wurden zum ersten Mal an der Börse gelistete Unternehmungen sanktioniert. Als Folge davon kollabierten russische Aktien, Anleihen und der Rubel.

Auch das Risiko, dass es aufgrund der militärischen Auseinandersetzungen in Syrien zu einer direkten militärischen, wenn auch ungewollten, Auseinandersetzung zwischen den beiden Supermächten kommen könnte, belastete die russischen Finanzmärkte. Russland kann den Finanz- und Wirtschaftskrieg nicht gewinnen und könnte deshalb den Konflikt da verschärfen, wo «man» mithalten kann: im militärischen Bereich, bei «Stellvertreterkriegen». Jüngst sind aus dem Kremel eher versöhnliche Töne gekommen. In russischen Anlagen sind eine ganze Menge negativer Nachrichten bereits eingepreist. Der Risiko-Rendite-Trade-off ist nicht unattraktiv.

Da Russland diesmal in einem Nahostkonflikt eine noch grössere Rolle als 1973 spielen dürfte, würden nicht nur die Öl- und Gaspreise, sondern auch Aluminium und Palladium, «die Geheimwaffen» Russlands, explodieren. Russland kommt auf einen Weltmarktanteil von rund 40 %. Norilsk Nickel ist der grösste Produzent und könnte bei einer weiteren Sanktionsrunde noch stärker betroffen sein.

Ungefähr 60 % des weltweiten Verbrauchs von Pal-ladium entfällt auf die Autoproduktion.

Wir haben in einigen Anlagestrategien seit geraumer Zeit eine taktische Rohstoffquote implementiert und uns damit einen Versicherungsschutz gegenüber einer Wiederholung eines grösseren Nahostdebakels, wie der Yom Kippur Krieg 1973, eingekauft.

Sowohl Russland, als auch Saudi-Arabien haben ein immenses Interesse an hohen Ölpreisen. Saudi-Arabien bereitet intensiv den Börsengang der staatlichen Ölfördergesellschaft Aramco, der vermutlich wertvollsten Firma auf diesem Planeten, vor.

Chinesische A-Aktien werden von MSCI im Juni (September) in den MSCI Emerging Markets Index (MSCI ACWI Index) aufgenommen. Der Aufnahmeprozess findet jedoch graduell statt, da nur 222 der 459 im MSCI China A-Index vertretenen Aktien aufgenommen werden und diese jeweils nur zu 5 %. MSCI selbst schätzte, dass die A-Aktien nur rund 0.7 % des MSCI Emerging Markets Index ausmachen werden und nur rund 0.1 % des MSCI ACWI Index. Die Gesamtmarktkapitalisierung des MSCI China A Benchmarks beträgt rund 1.1 Billionen US-Dollar. Zum Vergleich: Die Marktkapitalisierung von Apple beträgt rund 0.9 Billionen USD.

China stellt nach den USA und Japan dank fleissigem Kopieren des «Schuldenökonomiemodells» den drittgrössten Anleihenmarkt der Welt, weshalb immer mehr Anleihenindizes auch in CNY-denominierte chinesische Anleihen aufnehmen, aber eben nur graduell, wie es MSCI bei den Aktienindizes praktiziert. Wir raten hinsichtlich chinesischer Anlagen zu einer Markt-/Benchmarkgewichtung. Anleger werden in Zukunft immer weniger einem Engagement in chinesischen Assets ausweichen können, was gegeben die im Vergleich zu den USA attraktive Bewertung, auch nicht notwendig ist.


Kontakt: Thomas Härter, CIO, Investment OfficeTelefon: +41 58 680 60 44

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