Die meisten Leute scheuen sich ihr Geld selbst anzulegen und vertrauen es einer Bank oder einem unabhängigen Vermögensverwalter an. Die wenigen die es selber verwalten, laufen oft Gefahr einige fundamentale Grundsätze des Geldanlegens zu missachten oder emotionale Entscheide zu treffen. Es ist zwar nicht so einfach wie die Auswechslung einer Glühbirne, aber es ist durchaus möglich, selbst mit gesundem Menschenverstand ansprechende Ergebnisse zu erzielen. Voraussetzungen sind ein Interesse am Tagesgeschehen (Politik, Wirtschaft) und die Bereitschaft genügend Zeit dafür aufzuwenden (Portfolio Management).

Relevanz und Analyse von Information

Die Informationsflut bedingt, dass eine rigorose Unterscheidung zwischen nötigem (need to know) und unnötigem (nice to know) Wissen erfolgt. Nur Informationen mit denen Gewinn erzielt oder Verlust vermieden werden kann sind von Interesse. Der Wert einer solchen Information muss auf Grund ihrer Auswirkung auf den Markt festgelegt werden. Die Nachricht, dass das Wirtschaftswachstum sich von +1.8% auf +2.0% beschleunigt ist nice to know, aber die Nachricht, dass das Wachstum abnimmt ist need to know.

Asset Allocation

Die prozentuale Aufteilung der Gelder auf die Anlagekategorien Bargeld/Liquidität, Obligationen, Aktien und alternative Anlagen sollte auf der Risikobereitschaft des Investors basieren. Die Bereitschaft, ein gewisses Risiko in Kauf zu nehmen, hängt von der Ertragserwartung ab. Nach Wahrscheinlichkeitstheorie sind die Chancen und das Ausmass einer Aufwärts- oder Abwärtsbewegung gleich gross.

Ein Zeithorizont festzulegen ist tollkühn. Viel vernüftiger ist die Bezeichnung für „die absehbare Zukunft“. Die Aufteilung auf die Anlagekategorien muss nicht nur flexibel sein sondern auch eine Nichtberücksichtigung erlauben. Bargeld oder Liquidität sollte nicht der Rest bzw. das Übriggebliebene nach der Dotierung der anderen Anlagekategorien sein. Der Bargeldbestand sollte das Vertrauen in die Finanzmärkte widerspiegeln, bei hoher Unsicherheit sollte er entsprechend gross sein.

Portfolio Konstruktion

Die Ergebnisse der Relevanz und Analyse von Informationen bilden die Grundlage für die Auswahl der geeigneten Wertschriften in den einzelnen Anlagekategorien. Die Auswahl der einzelnen Obligationen ist sowohl von der künftigen Zinsentwicklung und der Zinskurve als auch der gewünschten Kreditqualität abhängig. Die Auswahl der einzelnen Aktien sollte sich auf die besten Gesellschaften in verschiedenen Märkten und Industrien/Sektoren/Themen konzentrieren.

Der Obligationenanteil sollte mehrheitlich in der Referenzwährung sein. Eine höhere Rendite in einer anderen Währung wird über kurz oder lang von einem Wechselkursverlust zunichtegemacht. Oft vergessen wird die Wichtigkeit der Komponente Kapitalgewinn oder Kapitalverlust; eine Zinserhöhung von 1% führt bei einer mittleren bis langen Laufzeit zu 10% Kapitalverlust und umgekehrt. Einzelne Positionen sollten nicht grösser als 10% sein.

Um genügend Diversifikation (Risikoverminderung) zu erreichen, sollte der Aktienanteil aus mindestens 8 – 12 Einzeltitel mit genügendem Handelsvolumen bestehen. Aus dem gleichen Grund sollten nicht mehr als 2-3 Einzeltitel in der gleichen Industrie sein. Die einzelnen Positionen sollten prozentual gleich gross sein; mehr in eine Gesellschaft zu investieren weil der Name besonders bekannt ist, macht keinen Sinn. Die prozentuale Grösse der Positionen darf ruhig bis 5% betragen.

Alternative Anlagen sollten nur sparsam eingesetzt werden. Edelmetalle, Rohstoffe, kotierte Hedge Fonds oder strukturierte Produkte sind nur zu berücksichtigen, wenn die Risikoanalyse gründlich gemacht wird.

Portfolio Management

Die Bedeutung der Vermögensverwaltung wird meist unterschätzt, und es lohnt sich, mehr Zeit dafür aufzuwenden. Für ein bestehendes Portfolio genügt eine regelmässige Überprüfung auf Monatsbasis, um Änderungen/Ajustierungen vorzunehmen. Auf ausserordentliche Kursbewegungen wird man durch die öffentlichen Medien aufmerksam gemacht. In einem solchen Fall muss sofort analysiert und reagiert werden.

Drei Börsenweisheiten sind zu beachten:

 „The trend is your friend“  – Besteht Unsicherheit über die richtige Entscheidung ist es besser nichts zu tun. Transaktionen kosten Geld.

Cut your losses“  – Fehler führen zu höherem Verlust da man sie zuerst nicht zugeben will. Die beste Methode dies zu vermeiden ist mit einem mentalen stop-loss zu arbeiten.

Let your profits run“  – Ja, aber es spricht nichts dagegen Teilverkäufe während des Kursanstiegs vorzunehmen. Dadurch bleibt die ursprüngliche Position erhalten und man hat einen Teilgewinn realisiert.


Christian Wagner
Finanzberater